Space Net Award 2026: Erlebnis und Enttäuschung

Am 22. Februar 2026 war Teilnahmeschluss für den ›Space Net Award‹ mit dem Thema »Lösung«, an dem ich mich sowohl mit der Story »In Aqua Solubilis« für die Kategorie Kurzgeschichten als auch mit insgesamt vier einzelnen Fotografien – mehrere Beiträge waren ausdrücklich erlaubt – für die Kategorie Bild beteiligte. 

Über 1400 Einreichungen soll es gegeben haben, weshalb ich überrascht war, Ende April eine Gewinnmitteilung für den Nachwuchspreis (mit 72 J.!) in der Kategorie Bild erhalten zu haben. Schade, dass es nicht die Geschichte wurde, dachte ich zunächst, freute mich aber selbstverständlich. Zu früh! Bis zur offiziellen Gewinnübergabe im Rahmen einer Gala mit geladenen Gästen im Juli sollten die Gewinner noch Stillschweigen bewahren. Im Hintergrund liefen dennoch die Vorbereitungen und ich wurde das erste Mal ›Störfall Kaufmann‹, denn zu dieser Gala in München würde ich nicht erscheinen können (Angsthase). Artig reichte ich jedoch noch für die Anthologie ein Foto und meine Kurzvita nach, stutzte allerdings kurz, als in einer Mail beiläufig von einer ›Bilderserie‹ die Rede war. Welche der vier folgenden Einsendungen den Preis erhalten sollte, war mir noch nicht mitgeteilt worden. 

‚Auflösung‘
‚Ablösung‘

Nun, die Gala fand statt und auf der Website des Space Net Award wurden die Gewinner beider Kategorien vorgestellt. Erst jetzt entdeckte ich meinen Beitrag! Irgendwo zwischen Entsetzen und Enttäuschung registrierte ich eine optisch dilettantisch gefertigte Collage mit allen vier eingereichten Fotos. Da sich alle Bild-Gewinner mit ihren Fotos für die Website einem unsinnigen Template-Korsett beugen müssen, hat man dieses Darstellungsformat hellblau unterlegt und meine Bilder willkürlich wie auf einer Pinnwand darauf angeordnet. Zusätzlich wurden nur meinen Bildern die Titel zugeordnet und daneben platziert, so dass die Darstellung noch winziger geriet. Kurz: Diese Collage ist ein gestalterischer Super-Gau! Auf Nachfrage (‚Störfall Kaufmann‘, der zweite) hatte man nur bedingt Verständnis für meine Verzweiflung, und ich wollte auch nicht den Eindruck einer verschnupften, zickigen Möchtegern-Künstlerin vermitteln. Der Award sei auch nicht die Kernkompetenz des IT-Unternehmens und man lerne ja jedes Mal (es war immerhin der siebte Wettbewerb!) hinzu. Die Jury hätte doch das ›Gesamtwerk‹ würdigen wollen.

Auf der Website wurde diese unsäglich hässliche Collage, von der jeder annehmen muss, ich hätte sie SO als meinen Beitrag eingesandt, freundlicherweise entfernt. Inzwischen wurden mir unzählige Fotos von der Gala übermittelt, deren Gäste, soweit es den Bildern zu entnehmen ist, gut gelaunt waren und einen schönen Abend genossen haben. Darunter, man ahnt es, fand sich auch das Bild meiner Gewinnübergabe (ohne meine Anwesenheit) vor besagter Collage, bei sich manche Gäste vermutlich gewundert haben, wie man mit so einem Bild überhaupt gewinnen kann. Ich schäme mich aus der Ferne und bin von Herzen nachträglich dankbar, nicht da gewesen zu sein!

Der große rote Rahmen zeigt das Format jeder Präsentation, der gestrichelte den gezeigten kaum erkennbaren. (Foto von Verfasserin bearbeitet)

Nun bin ich mir sicher, dass genau diese Collage des Grauens sich auch in der Anthologie »Lösung« finden wird, die allen Gewinnern überreicht werden sollte und überdies auch gekauft werden kann. Außer der Gewinnmitteilung habe ich allerdings bis heute noch nichts erhalten – weder Geld-, noch Sachpreis. Vielleicht auch nicht die Kernkompetenz des Unternehmens? 

Mein Fazit: Nicht über jeden Gewinn kann man sich freuen!

Mein Tipp für den Ausrichter: Gebt für die Kategorie Bild ein festes Format vor, nicht nur die Auflösung, und lasst je Teilnehmer und Kategorie nur einen einzigen Beitrag zu. Das bedeutet weniger Arbeit für die Jury und minimiert mögliche Missverständnisse. 

Geschrieben habe ich den kleinen Blogpost nicht alleine wegen meines erlittenen Frusts, sondern auch, um erneut ins Bewusstsein zu rücken, wie wichtig grafische Gestaltung ist. Die Einsicht in meine Enttäuschung wäre vielleicht allgemein nachvollziehbarer, hätte man einen Kurzgeschichtengewinner, der mit mehreren Beiträgen gewonnen hätte jeweils nur mit einem Teil der Storys vorgestellt oder in der Anthologie abgedruckt. Grafische Gestaltung – Stiefkind vieler Buchcover, zahlreicher Webseiten oder CI-Auftritte. Dabei sind die meisten von uns Augenmenschen, selbst wenn sie es bewusst gar nicht bemerken.


© Die Fotos für den Wettbewerb sind von mir – die der Preisverleihung und das Logo darf ich mit freundlicher Genehmigung von Space Net, München verwenden. Herzlichen Dank!