Esel, Hase und Pferd

Wird dem Esel zu wohl, geht er aufs Eis, sagt man. Heute vor einem Monat flatterte ein „Moin“-Newsletter von Books on Demand in mein Email-Postfach und lud mich zur Teilnahme an gleich zwei Schreibwettbewerben 2022 ein: dem Selfpublishing-Buchpreis und dem Kindle Storyteller Award. Neugierig, aber mit gleichzeitigem Bedauern, weil die Termine für mich eine Unmöglichkeit darstellten, las ich mir die Teilnahmebedingungen durch. Während weitere Tage verrannen, rumorte die Idee weiter in meinem Kopf. Im Besitz eines fertigen Manuskripts und mit dem ohnehin schon gefassten Vorsatz, es ‚irgendwann‘ selbst zu veröffentlichen, fragte ich mich, was ich zu verlieren hätte. Nichts! Im Gegenteil, denn wer weiß, wie lange ich mit der Absichtserklärung noch schwanger gegangen wäre, hätte ich diesen notwendigen Tritt in den verlängerten Rücken nicht erhalten.

Was immer geschehen wird, ich habe das Eis betreten! „Vom Hasen, der auszieht, die Angst zu verlernen“, ein bebildertes Memoir, ist seit Mitte Mai als gebundene Ausgabe, als Taschenbuch und als eBook erhältlich. Ich habe das Projekt losgelassen und bin frei und offen für neue. Somit habe ich schon gewonnen, denn ohne die Ausschreibungen hockte ich noch heute auf dem Stapel Normseiten! Also, lieber Spaß auf dem Eis, mit dem Risiko einzubrechen, als gelangweilt am Ufer stehen und anderen beim Vergnügen zuzuschauen.

Natürlich hat die Angelegenheit für mich noch einen gewaltigen Haken, denn – schon wieder eine Tiermetapher – ich habe das Pferd von hinten aufgezäumt! Da ich es versäumte, den Schreibprozess mit gelegentlichen, wohldosierten Updates vor der Veröffentlichung „ins Gespräch“ zu bringen, muss ich es jetzt angehen und wer mich kennt, weiß, wie schwer ich mich mit Selfmarketing tue. Vergangenes Jahr hatte ich mich auf das gedankliche Altenteil zurückgezogen und im Zuge dessen, mein Instagram-Profil gelöscht und meinen Blog eingestampft und jetzt muss ich neue Wege suchen und begehen. Eine Herausforderung, die frischen Wind verspricht (hoffentlich ohne Tauwetter).

Demnächst werde ich hier etwas mehr über das Buch erzählen, aber vielleicht habe ich hiermit einer anderen Schreiberseele Lust machen können, sich ebenfalls für ein paar kecke Pirouetten aufs Eis zu wagen? Bis zum 31.05.2022 ist noch für den Selfpublishing-Buchpreis Gelegenheit dazu und bis zum 31.08.2022 für den Kindle Storyteller Award.

Weihnachten aus der Tube?

Die Geschenkeschlacht unterm Baum ist geschlagen, die erste Runde des Festtagsbratens liegt neben einem Stück Weihnachtstorte grummelnd im Magen, während gerechnet wird, mit wie vielen G man wo im Januar Winterurlaub machen kann. Das Städtchen wurde in der Heiligen Nacht zart angeschneit und lockt mit funkelndem Diamantlicht das satte Volk ins Freie, um die neuen Jäckchen, Mäntelchen, Mützchen und Stiefelchen auszuführen.

Ich drücke mich um derartigen Schaulauf, genieße die erlaubte Faulheit nach Tagen des geschäftigen Treibens. Will meine Beine lieber in die olle Jogginghose und meine Nase lieber in den frischen Druckduft meines neuen, selbstgeschenkten Robotham-Krimis stecken und die Spannung inhalieren, will einen sahneweißen Bogen Zeichenpapier auf mein Brett spannen und die Stifte herumtollen lassen, vielleicht Liegengebliebenes in aller Ruhe aufarbeiten und dazu CDs hören. Und noch während ich dieses will und jenes, sind die wundervollen Tage ‚zwischen den Jahren‘ auch schon vorüber! Im Anschluss habe ich nichts vorzuweisen, außer, ja, außer vielleicht einem winzigen Tik weniger Hek.

Genießt die verbleibende Weihnachtsstimmung und haltet euch mit Kontakten rücksichtsvoll zurück. Ich wünsche Euch ein gesundes, zufriedenes Neues Jahr und die Stärke und Kreativität, auch aus dieser bedrohlichen, außergewöhnlichen Zeit etwas Besonderes zu machen und neue Wege zu gehen. Baldige und vollständige Genesung wünsche ich denen, die sich, egal mit welcher Erkrankung oder Not, plagen!


Urheberrechtlich geschützt © 2021 H. M. Kaufmann

„Häschenschule“ Twenty-twentyone

Seht, wie ihre Augen strahlen,
wenn sie lernen falsche Eier malen.
Jedes Häslein nimmt verboten
einen Pinsel in die Pfoten,
färbt die Viren, stachlig rund,
mit den schönsten Farben bunt.
Wer´s nicht kann, der darf auf Erden
nie ein Fälscher-Hase werden.

Ich bitte Fritz Koch-Gotha und Albert Sixtus post mortem um Verzeihung, dass ich ihr Werk bildlich und textlich verfremdet habe. Meine „Pfote“ tat einfach, was der Kopf wollte!

Die „Häschenschule“ war nach „Hänschen im Blaubeerwald“ das zweite Buch meines Lebens und ich gab mit fünf Jahren vor, oder besser gesagt an, lesen zu können, indem ich die (originalen) Verse auswendig vortrug und an den richtigen Stellen umblätterte.

Frohe Ostern und bleibt gesund!


Nach angegebener Vorlage urheberrechtlich geschützt © 2021 H. M. Kaufmann

„Es gibt nichts Gutes.“

Außer man tut es.

Erich Kästner

Zur Entstehungsgeschichte dieses Charitybuches wurde in den Medien inzwischen viel und ausführlich berichtet, und ich gehe davon aus, dass jeder Booknerd weiß, wie wichtig es ist, den Buchhandel durch den Kauf des Buches „Identität 1142“ (Herausgeber Sebastian Fitzek, 2020 Droemer Verlag) zu unterstützen. 

Aber auch jedes andere Buch hilft natürlich, die Vielfalt insbesondere der kleinen magischen, nach Druckerschwärze und neuem Papier duftenden Orte mit ihren prallvollen Bücherregalen zu erhalten. Letztlich helfen wir uns damit selbst, denn wer nicht zuhört, wird wortlos, wer nicht mehr liest, sprachlos. Ohne Worte, ohne Sprache ist Kommunikation unmöglich und wir könnten dann auch gleich wieder die Bäume beziehen. Es gibt eine wirklich sinnvolle Community – die der Leser und Lesebotschafter!

Ich bin, bezogen auf die Teilnehmerzahl, nur ein 1142stel dieser Idee, die ich, auch wenn ich mich dem Community-Voting für das zusätzlich erschienene eBook der beliebtesten Storys aus Prinzip verweigerte, dennoch aus voller Überzeugung mit diesem Kauftipp unterstütze! Und wenn ich schon so dreist und unbezahlt werbe, dann auch für eine der mehrheitlich ungedruckten Identitäten – meinen Kurzthriller Schaf im Wolfspelz , der nur hier zu lesen ist. Ich hatte meinen Spaß dabei!


Urheberrechtlich geschützt © 2020 H. M. Kaufmann

Verkehrte Welt

Drabble

Ich kämpfe mich kraftvoll an die Oberfläche, schnappe gierig nach Luft und sauge sie tief ein, um mit der nächsten Welle wieder hinab in das dunkle, unendliche Braun des Bodensees zu tauchen. Als ich das nächste Mal, begleitet von einem krümeligen Schwall, den ich wie eine geplatzte Blase zurücklasse, nach oben paddele, hätte ich sie sehen können – meine Sehnsuchtsinsel! Eine wundervolle, erdumspielte Oase voller geheimnisvoller Geräusche und Gerüche, inmitten meines stillen Ozeans. Aber ich sehe äußerst schlecht und meine Bestimmung ist das Durchpflügen dieses Elements. Leben und Grab. Man nennt mich Erdwerfer oder Maulwurf, aber manchmal träume ich vom Meer.


© Inhalt urheberrechtlich geschützt – H. M. Kaufman 03.07.2020

Pennyvirus?

„We all float down here!“

Pennywise in „Es“ von Stephen King

„The Stand“ of „It“? Ich hatte offensichtlich wieder viel Zeit für eine spitze Feder und war ein böses, altes Mädchen! Mr King, einer meiner Lieblingsautoren wird hoffentlich nicht pennywisig wegen meiner Pennyvirus-Neuinterpretation.


Nach erwähnter Vorlage, urheberrechtlich geschützt © 2020 H. M. Kaufmann

Das Fossil

Die Vergangenheit von morgen beweint mich mit zähen Honigtränen und reißt mich aus meiner reglosen Gegenwart. Der erste dickflüssige Tropfen fängt, der zweite lähmt mich. Goldgelbe, klebrige Hoffnung auf Unsterblichkeit umhüllt meinen Körper und meine Welt wird still. Für immer müde, für immer wach, für immer tot, für immer lebendig.

Das Verhärten meines Tränenpanzers spüre ich genauso wenig wie das Schmirgeln der Gezeiten, das meine Oberfläche rau und blind macht. Blickdichte Verborgenheit in beide Richtungen. Bald unterscheidet mich nichts mehr von den Kieseln neben mir, außer meinem Gewicht, denn sie wiegen schwer in der Brandung, doch ich bin federleicht.

Äonen verrinnen und ich treibe in ihrer Strömung, bis ich plötzlich vom Zufall gefunden werde. Es wird hell und klar, als die Sonne in das uralte Gefängnis dringt, in dem mein junger Körper zu schweben scheint. Des Zufalls große Augen blicken hinein und entdecken staunend die Vergangenheit. Eine von unendlich vielen. Meine.

Der Zufall denkt an mich, überdenkt die Zeit an sich, wenn er im Herbst den Wald atmet, der sich alljährlich bernsteinfarben entblättert. Und während die Blätter wie Honigtränen regnen, fühlt er sich ein wenig wie ich. Was wohl von seiner Winzigkeit eines Tages bleibt? Ist die Ewigkeit etwa nur ein unsichtbarer Tropfen Harz, der seine Seele konserviert?


Urheberrechtlich geschützt © H.M.Kaufmann, 16.09.2019