Digitale Abstinenz: Schreiben neu entdecken

Meine Fastenzeit »7 Wochen ohne« ist vorüber und ich habe mein gesetztes Ziel knapp verfehlt. Einige Male habe ich zudem geschummelt und habe in meinem Schreibforum eine Winzigkeit kommentiert. Meine Absicht war, die durch digitale Abstinenz gewonnene Zeit in ein Schreibprojekt fließen zu lassen, um das erste Roh-Manuskript meines Low Fantasy Romans bis Ostern fertigzustellen. Doch die Peripetie und der Showdown müssen sich noch etwas gedulden, weil der Alltag dazwischen funkte.

Ich feiere aber nicht meine Story, sondern freue mich, meinen inneren Schweinehund an die Leine gelegt und mir bewiesen zu haben, dass ich noch zu einem Minimum Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen fähig bin: 90.000 Wörter in 7 Wochen. Das mögen manche Vielschreiber belächeln, aber es ist für mich ein Meilenstein. Es werden sich auch noch etliche Wörter hinzu gesellen müssen, denn veranschlagt habe ich zunächst einen Umfang von 120.000.

Natürlich kam in den Fastenwochen oft das reale Leben in die Quere und ich habe abwägen müssen. Für mein Manuskript bedeutete das den Einsatz von Hilfsmitteln, auch um einen möglichen Flow nicht zu bremsen. Ich nenne solche Passagen »Dehnungsfugen«, denn dort steht dann statt des ausgearbeiteten Textes nur ein knapper Randkommentar, ähnlich »… näher beschreiben« oder »vgl. Recherche«, und diese Einsätze erwarten beim nächsten Durchgang eine ›Dehnung‹, einen detaillierteren Textabschnitt. 

Längst ist mein angestrebtes Projekt nicht in trockenen Tüchern (in meinem Fall werden diese Tücher allein aufgrund des Settings massive Trocknungsprobleme bekommen 😀), aber das Gerüst steht, und mit ihm wurden bündelweise lose Notizen erst zu einer neuen stabilen, homogenen Einheit verbunden, dann endlich Papiermüll. Die ersten flüchtigen Gedanken erfasste ich nämlich schon vor zehn Jahren in einem meiner unzähligen Notizbücher. Leider habe ich die Zügel immer dann schleifen lassen, wenn eine Verbindung, eine Figur oder ein Handlungsstrang nicht gefiel, was zur Folge hatte, dass mich jeder verflossene Tag erneut vom Ziel entfernte. Jetzt ist die Storyline fixiert und als Gerüst nahezu fertig. Um im Fachwerk-Bild meines vorangegangenen Beitrags zu bleiben: Die Leistungen des Architekten, der Zimmerleute und Maurer sind erbracht, aber erst die Feinarbeiten nach dem Richtfest machen das Haus bewohnbar. Ich freue mich auf diese Etappe, darauf, den Text nach meinen Vorstellungen sprachlich und stilistisch zu modellieren und bis ins Detail zu bearbeiten. Doch zuvor muss der Mörtel in Ruhe abbinden und die Story etwas ruhen. Währenddessen gönne ich mir wieder mehr Lesezeit und werde mit ein, zwei Kurzgeschichten für Wettbewerbe meine Fantasie zur kurzen Entspannung in andere Gefilde entführen.

Neben diesem für mich wichtigen Schritt im Hinblick auf das Ergebnis, hatte ich erneut – man kann es mir nicht oft genug vor Augen führen –Gelegenheit, mein Verhältnis zum Sozialverhalten (und es selbst) im virtuellen Raum zu überdenken. Was bedeutet und in welchem Maß erlaube ich es mir? Aber an dieser Stelle strecke ich frech meine Zunge raus und sage »Ätsch, privater Lerneffekt!« und behalte das Ergebnis für mich. Jeder kann das nur für sich selbst definieren.

Dennoch freue ich mich darauf, wieder öfter meine Nase ins Schreibforum zu stecken, auch um meinen Horizont nicht der Gefahr einer Schrumpfung auszusetzen, nur weil ich Angsthase zu Kontakten mit ›richtig echten, lebenden Menschen‹ 😲 seit nunmehr sechsundzwanzig Jahren kaum normalen Zugang mehr habe. In klitzekleinem Radius um meinen sicheren Hafen habe ich mich jedoch der Seite meines Steuermanns in Mini-Steps durch den Vorfrühling treiben lassen. Irgendwoher mussten die Bilder für die Collage ja kommen, es sollten unbedingt eigene sein!

Ich wünsche allen, die das lesen, entspannte Feiertage und den Besuch eines fröhlichen und empathischen Hasis, der euch mit Buchstaben gefüllte O-stereier bringt! (Wahrscheinlich sind tatsächlich nur Os drin für Romone, Godochte, Fontosy odor sowos.)


© Sowohl die Titelcollage als auch mein Hasenpfötchen sind mein ‚Werk‘.

Fachwerk-Methode: Die Dreiakt-Struktur beim Schreiben nutzen

Das Leben mitten in einer von Fachwerkhäusern geprägten Altstadt – unser Nachbarhaus könnte Geschichten aus dem Dreißigjährigen Krieg erzählen –, inspirierte mich zur Aufbau-Methode für mein aktuelles Schreibprojekt. Ich nenne sie meine Fachwerk-Methode. Schritt auf Schritt nacheinander abgearbeitet, nähere ich mich meinem Ziel. Ich bin Grundstücksbesitzer, Bauherr, Architekt, Handwerker und schlussendlich hoffentlich Hauseigentümer in Personalunion, denn ich bin Selfpublisher.

1. Das Grundstück

Zunächst suchte ich ein geeignetes Grundstück, auf das ich mein ›Gebäude‹ stellen will: das Genre und meine Zielgruppe. Wird es ein Rathaus (Sachbuch) oder ein Informationszentrum (Ratgeber), eine Fabrik (ein Kochbuch), ein Kino (Bildband, Bilderbuch), ein Campingplatz oder Zoo (Anthologie, Gedichtsammlung)

oder ein Wohnhaus (Roman)? In diesem Fall soll ein kleines Fachwerkhaus, ein Low Fantasy Roman (magischer Realismus) für eher junge Leser jeden Geschlechts, aber kein reines Jugendbuch, entstehen.

2. Das Fundament

Auf diesem Boden wird ein solides Fundament errichtet, der feste Untergrund aus einer tragfähigen Idee oder einem Pitch. Ich bekomme einen ersten Eindruck von der Größe, vom Umfang. Was soll wie erzählt werden? Perspektiven und Tempi werden fixiert. Eine Bauzeichnung (Schema, Zeitstrahl, Stammbäume) kann helfen, den Überblick zu behalten.

3. Das Skelett/Gerüst

Form follows function, war schon im Industriedesign mein persönlicher Leitfaden. Das Gebäude nimmt endlich formale Gestalt an. Schwelle und Rähm (für Akte oder Teile), Ständer (für Kapitel), Streben (für Spannungsbögen) bilden die horizontalen, vertikalen und schrägen Rahmenbedingungen für ein statisch belastbares Fachwerk-Gerüst. 

Je sorgfältiger bei dieser Struktur gewerkelt wird, desto leichter geht die Folgearbeit von der Hand. Das habe ich auf höchst frustrierende Weise erst selbst erleben müssen, nachdem ich das Projekt beinahe aufgegeben hätte. Ich beging den großen Fehler, einfach draufloszubauen bis zu dem Punkt, wo alles einstürzte. Hatte ich mich auch für dieses Buch auf meinen entdeckenden ‚Pantser‘-Instinkt verlassen, gehofft ohne Plotten nur meinen Figuren folgen und ihnen zuhören zu müssen, führten sie mich jetzt mal in die Irre, mal an der Nase herum. Warum? Weil ich in Wahrheit bloß auf einen bequemen Weg aus war. Schlussendlich half nur der Abriss! Die Rahmenstruktur hängt nicht vom Autor, sondern von der Erzählung selbst ab und die kenne nur ich. Jede Story fordert ein anderes Vorgehen. Keine fremde Struktur löste deshalb mein Problem, weshalb ich eine flexiblere, ein Mix aus Plot und Discovery finden musste. 

Das Baumaterial hatte ich noch, und so startete ich zu Beginn meiner Digital Detox Fastenzeit gänzlich neu mit der bekannten Dreiakt-Struktur: Setup, Confrontation, Resolution, also Ausgangssituation, Konflikt und Auflösung. Ausführlichere Tipps zum Dreiakter gibt es zuhauf im Internet und in vielen Ratgebern. Drei ausbaufähige Etagen sind für meine Story ideal, da sich die Zahl auch inhaltlich wiederfindet. Aber ich halte mich nicht an die empfohlene Feineinteilung des Dreiakters, in dem jedem Kapitel ein bestimmter Handlungsschritt zugewiesen wird. Das ist mir zu eng. Wichtig ist eine konstante Entwicklung der Protagonisten und eine Handlung mit Vorschub zu ermöglichen und die notwendigen Wendepunkt zu setzen, die eine Veränderung auslösen.

So plante ich den groben Plot mit zeitlichen Abläufen und fixierte alle wichtigen Eckdaten, Settings und Charaktere. Da ich auf zwei Zeitebenen unterwegs bin, muss das zeitlich korrekt recherchiert und Spannungsbögen verbaut werden! Der letzte Akt ist die Dachetage – hier spitzt sich alles buchstäblich zu! Darüber hinaus habe mich im Erdgeschoss zu einem kleinen Anbau mit dem Haupteingang, der hoffentlich einen einladenden Einstieg verheißt: den Prolog.

4. Das Dach

Die zugespitzte Dachetage ist der abschließende Höhepunkt, der Showdown. Sie ist zugleich Speicher für alle relevanten Kerninformationen. Alles läuft jetzt zusammen und verleiht dem Haus Halt.

Ich habe mich, als Pendant zum Prolog, zusätzlich für einen Epilog entschieden. Das wird meine Dachgaube. Sie ermöglicht einen kleinen Ausblick in eine neue, andere Richtung (womöglich ein Cliffhanger für einen Folgeband?). Prolog und Epilog sind keine unnützen Appendizes, sie sind geplante Anbauten und somit Teile der Form und Struktur!

5. Das Gefache

Das Gerüst steht endlich. Nun kann es Etage für Etage mit Text gefüllt werden. Für meinem Dreiakter heißt das, im Umfang etwas abweichend vom klassischen Muster, auf den 1. und 3. Teil entfallen jeweils etwa 30% (inklusive Prolog, bzw. Epilog) des Gesamttextes und auf den mittleren Teil die restlichen 40% des Gesamttextes. Am Ende des 1. und 2. Teils ist jeweils ein Plotpoint und in etwa der Mitte des 2. Teils ein Midpoint kalkuliert. Ein Roman dieses Genres hat durchschnittlich 100.000 bis 120.000 Wörter (+/- 10%). Entsprechend teilte ich mir meinen (Papyrus Autor-) Arbeitsplan grob auf. Trotzdem will ich flexibel bleiben und mich spontan für Änderungen der Kapitel- oder Wörterzahl entscheiden dürfen. 

Da ich den Plot absichtlich nicht sehr detailliert ausgearbeitet habe, ›mauere‹ ich ihn in Mini-Etappen und plane nur die nächsten Szenen oder Kapitel. Dabei nie die Logik aus den Augen verlieren! Im Mauerwerk lasse ich immer wieder Öffnungen und ›Dehnungsfugen‹, also Blankostellen für Details, die ich mit entsprechenden Randkommentaren versehe, um sie später, ohne Unterbrechung des Schreibflusses mit Feinarbeiten zu füllen. Zur Belebung werden Fenster/Ausblicke eingesetzt (kleine Abschweifungen).

6. Innenausbau

Dieser Schritt ist der finale und wichtigste! Erst durch mehrfache Überarbeitung wird das Haus zum fertigen, bewohnbaren Werk, in dem sich Bewohner und Gäste hoffentlich wohlfühlen werden. Sie ist zeitaufwendig, aber unabdingbar, will man ein ästhetisch und inhaltlich überzeugendes Ergebnis, eine Bauabnahme. Sprache, Tonalität, Stimmung, Stil, Jagd auf Fehler in Logik, Rechtschreibung und Interpunktion. Jeder hat eine andere Vorgehensweise. Während geübte und/oder talentierte Schreiber vielleicht schon nahezu druckreif schreiben, bin ich abhängig von meinen Überarbeitungen, da ich zunächst den Fokus auf die Ereignis-Abfolge richte, und erst in diesem letzten Schritt an Formulierungen feile. 

Zeit, sich gegebenenfalls Hilfe bei Zimmerleuten, Malern, Installateuren – also, Lektorat, Korrektorat, und Testleser – zu holen. Profis wären die beste, aber leider auch die teuerste Wahl und kommen für mich leider nicht in Betracht.

7. Putz/Fassade

Oft Stiefkind des gesamten Baus, insbesondere bei Selfpublishern. Und doch, das Haus benötigt Verputz, Zierrat, Schnitzerei, die den Erbauer benennen, eine Farbschema für den Schutzanstrich und Schmückendes, um zu gefallen und den einzigartigen Charakter zu unterstreichen. Beim Buch ist es die Covergestaltung, die egal, ob originell oder klassisch, aber stets werbewirksam ausfallen muss. Dem Klappentext, der Typografie und Grafik sollte sich der Bauherr oder ein Dienstleister ausgiebig und detailverliebt widmen. 08/15 bedeutet, unbeachtet in der Masse zu verschwinden.

8. Grundstücksgestaltung

Das Gebäude ist fertiggestellt, muss aber noch attraktiv in Szene gesetzt werden, einen würdigen Rahmen erhalten, ganz nach Geschmack und Intention. Nutzgarten oder Erholungsraum, für Angeber oder Ökos, junge Familie oder Senioren – kurz, die Werbetrommel für die erwünschte Zielgruppe sollte nun auf Hochtouren arbeiten. Am besten schon den Bau begleitend damit beginnen! 

Am Ende meiner oben erwähnten Fastenzeit wollte ich die Fertigstellung des ersten Rohbaus erreichen. Das wird eng werden, denn der dritte Akt ist soeben erst begonnen worden. Und doch bin ich weit gekommen nach dem Abriss, und die Motivation wurde mächtig gepusht! Vielleicht konnte ich mit meiner Vorgehensweise jemanden ermuntern, sich auch an einen eigenen Hausbau zu wagen? Möge Euch das gelingen und das Werk genauso lange überdauern wie das auf dem Titelfoto. Allerdings ist das nur ein Zweiteiler, aber immerhin mit Prolog und Epilog! 😉


Titelfoto von Anaterate auf pixabay/Foto im Text von AnnaER auf pixabay – vielen Dank!

Cover Release

Fast geschafft! Die Buchdaten sind an Books on Demand übermittelt, und nun beginnt die aufregende Wartezeit bis zum offiziellen Erscheinen und der damit verbundenen Möglichkeit zur Bestellung. Hoffentlich klappt alles mit den Druckfarbergebnissen des Covers, das sich hier schon vorstellt!

Der Klappentext als Appetizer:

Zum Inhalt erscheint in Kürze eine ausführlichere Information unter dem Menü Books.

Coming Soon

Ein gebotenes Sabbat-Jahr, in dem ich kaum geschrieben habe, liegt zwischen diesem und meinem vorangegangenen Beitrag. Bisher bereicherten einige ungekürte Teilnehmer an Kurzgeschichten-Wettbewerben, neben extra verfassten, die Rubrik ›Tiny Tall Tales‹ auf dieser Website. Doch bestürzt stellte ich fest, dass es inzwischen so viele wurden, dass eine übersichtliche Menü-Führung nicht möglich ist, ohne den Tarif aufzurüsten und das Template zu ändern. Vorläufig möchte ich daran jedoch nichts ändern.

Wohin nun mit meinem neuen Shorty »Eiskalt«? In die demnächst erscheinende BoD-Anthologie »Crime between the Pages« hat er es nicht geschafft, aber, und zu dieser Überzeugung habe ich mich überredet, er hat den Einzug in ein Buch verdient. Der überraschende Gewinn des genialen Papyrus 12–Schreibprogramms war der Wink des Schicksals. Er verführte mich mit seiner erweiterten Buchdesign-Option und macht mir Mut für das spontane Zwischenprojekt.

Dreizehn Kurzgeschichten zwischen lebensweise und lebensgefährlich, zwischen elektrisierend und entspannend habe ich zusammengetragen, um, so alles wunschgemäß verläuft, es noch zu Beginn des Frühling als Taschenbuch herauszubringen. Rechtzeitig als Ferienbegleitung oder als Liegestuhl-Lesehäppchenteller oder überall dort, wo die verfügbare Zeit nur für eine kurze Geschichte reicht.

Das Büchlein ist entweder extrem schüchtern, oder es kennt schon die Gesetze des Marketings. Es kündigt sich früh an, zeigt aber noch nicht alles von sich und macht es spannend. Also gibt es zunächst nur einen verhüllten Appetizer – ein Cover undercover. Wie sagt man heute dazu passend: Stay tuned – dranbleiben!


Titelbildcollage unter Verwendung eines Hintergrundfotos auf Pixabay – vielen Dank!

Zwischen Au und Wow

Riesenraderfahrungen.

Den folgenden Beitrag veröffentlichte ich auf meinem Blog einige Tage bevor das beschriebene Event stattfinden sollte:

(…) Erstmals werde ich mich am Sonntag, den 7. Mai aus meinem sicheren Bau wagen, einen schlichten Büchertisch neben ihm aufbauen und meine Angsthasenlöffel weit aufsperren. Der Mut reicht nicht für eine Lesung, aber für öffentliche Anwesenheit samt meiner ‚Werke’ und meiner Sozialphobie. Und ich werde die frühlingsgrüne Schleife tragen. Das Zeichen für die Bereitschaft, meine Angst-Geschichte in einem Memoir zu teilen, zu ihr – zu MIR – zu stehen und so auch für Toleranz im Allgemeinen zu werben. Das hoffnungsvolle Maigrün des Symbols mag ausschließlich für psychische Erkrankungen stehen, aber tragen wir nicht alle irgendeine Schleife? Auch wenn sie unsichtbar ist? Und egal, welche Farben sie hat, es wäre doch einfach traumhaft, würden wir auch ohne ein solches Symbol öfter hinhören, im positiven Sinne neugieriger sein und uns mit Empathie anderen Menschen zuwenden. Alles, was wir geben können, erhalten wir bekanntlich vielfach zurück!

Die ‚Grüne Schleife‘ erinnert mich an eine verschlungene Ranke, einen frischen Austrieb, der erst einmal mutig ein Stück jeder Richtung erforscht, um Halt, Licht und Raum zur Entfaltung zu suchen. Es stört nicht, dass das junge Pflänzchen dabei vielleicht im Kreis wächst. Aus dieser Idee heraus entstand mein Give-away für den oben erwähnten Tag, an dem ich dieses Lese-Zeichen setzen möchte.

Jetzt, zwei Tage nach diesem Marktsonntag lasse ich ihn noch einmal für mich Revue passieren. Meine allergrößte Sorge, das angekündigt schlechte Wetter, löste sich buchstäblich in herrlich blaue, wenn auch kühle, Luft auf. Dennoch stieß mein Büchertisch von kleinen, aber dafür um so sympathischeren Ausnahmen mal abgesehen, auf reges DESinteresse. Mögliche Gründe analysiere ich wie folgt, wobei Nr. 5 am schwersten wiegt:

  1. Bücher kosten Geld und das sitzt bekanntlich in Tagen wie diesen nicht mehr locker. Wieviel sie tatsächlich kosten fanden jedoch auch nur wenige heraus, denn zumeist wurde das gesamte Angebot schon aus der Ferne ignoriert.
  2. Bücher muss man lesen. Leider ein Hobby, das allgemein an Schwindsucht leidet (besonders bei Kindern – Stichwort Vorbild).
  3. Fehlende (positive) Neugier. Geminderte Kaufkraft ist eine Sache, eine andere, dass nicht einmal Fragen gestellt wurden oder ein Gespräch zustande kam.
  4. Subjektiver Gesamteindruck: Das Publikum suchte in erster Linie heiteres Entertainment und leibliches Wohl.
  5. Mein FREIWILLIG (man hat mir mehrfach ein zentrales, sehr schönes Plätzchen schmackhaft gemacht) von mir gewählt schlechter Standort. Na klar, so weit ab vom Schuss wird man nur von zielorientiertem Publikum gefunden, anders als auf der dicht standbestückten Flaniermeile.
  6. Folge: Abschreckend leerer Stand erzeugt den Trugschluss von uninteressantem Angebot und vermeintlichem Kaufdruck.
  7. Genres der beiden vorgestellten Bücher: Jugendbuch und – ja, biste denn verrückt! – Memoir einer PSYCHISCH (hier hört man förmlich die Hintergrundmusik von Hitchcocks „Psycho“) Behinderten. Schwierig, schwierig!
  8. Selfpublisher sind eben doch keine ‚richtigen‘ Autoren?

Noch einmal bedanke ich mich aber dennoch herzlich bei dem äußerst entgegenkommenden und sehr bemühten Veranstalter, dem Verein Freiraum Kunst und Kultur Grebenstein e.V. www.kuku-grebenstein.de dafür, dass ich an diesem Tag dabei sein durfte, um diese Erfahrung zu machen. Wie ich hörte, lief es in dem eigentlichen Aktionsradius der Veranstaltung optimal und sowohl das Angebot als auch das Interesse waren dort groß!

Warum ich über meine Flops berichte? Ganz einfach, weil in der Selfpublisher-Bubble viel zu viel Geschöntes, Unechtes gezeigt wird und es immer noch Menschen gibt, die glauben, man könnte mit dem Schreiben von Büchern ganz easy wohlhabend und bekannt werden. Wie in jeder anderen Branche, gibt es natürlich Ausnahmen, aber wer nur danach strebt, liegt mit dieser Motivation definitiv falsch! Das, was uns Social Media zeigt, ist ohnehin nur ein Zerrbild der Realität.

Doch es gibt auch Highlights! Aber sie sind bescheiden. Sie geben der kleinen lodernden Kerzenflamme der Kreativität gerade so viel Nahrung, so viel Sauerstoff, um nicht zu verlöschen. (Dafür dankt sie es uns, indem sie länger und konstanter brennt.)

Gerade für Anfänger wie mich bieten Wettbewerbe ideale Spielplätze und die Gelegenheit für ‚Fingerübungen‘. Es gilt, sich an ausgeschriebene Regeln zu halten, sich dabei selbst auszuprobieren und Neues zwanglos zu testen. Darüber hinaus kann man von Zeit zu Zeit auch kleine Erfolge verbuchen – Sauerstoff für unser kreatives Flämmchen und Balsam für unser Selbstwertgefühl. Ende vergangenen Jahres habe ich beispielsweise einen kleinen Zeichenwettbewerb (Topp Art Week 2022 „Hands Up“, s. Zeichnung ‚Hasenhand‘) gewonnen und kürzlich einen Mini-Schreibwettbewerb (Bookdate Contest 2023, mit der Ultrakurzgeschichte Never End) und freue mich über wertvolle, nützlichen Sachpreise. Wesentlich häufiger ging ich natürlich leer aus (falls jemand glaubt, ich wäre der große Abräumer). Leer nur im Sinne von Sieg oder Platz; Erfahrungen – auch die, mit Niederlagen klar zu kommen – nahm ich IMMER daraus mit!

Fazit: Wie im Riesenrad geht es auf und ab, und das eine ist ohne das andere nicht möglich!

„Shit happens“

Oder „sowas kann passieren“!

Wahrlich, ein Buch mit Fallstricken, Tücken und Hindernissen! Immer neue Ameisenknochen bringen mich auf dem Weg zu einem zufriedenstellenden Ergebnis ins Straucheln! Die anfängliche Freude über die Neuauflage meines Debüts von 2016 wich ernüchternder Enttäuschung, als ich das erste gedruckte Exemplar nach langer Wartezeit in meinen Händen hielt. Der Druck des Covers hatte farblich wenig Ähnlichkeit mit meiner Vorlage! Der Schwarzanteil war gravierend und ein fieser Grünstich machte aus dem ‚Holzbuch‘ eine vermooste Antikausgabe. Über allem lag ein dunkler Schleier und die Farben wirkten stumpf, blass und schmuddelig.  

Der Support des On-demand-Dienstleisters reagierte freundlich und verständnisvoll und bot Hinweise und einen Ersatzdruck an, auf den ich dann wiederum etliche Tage warten musste. Leider konnte auch dieser Druck nicht punkten, da der Grünstich nur Platz für einen in Blau gemacht hatte. Brillanz? Farbtreue? Fehlanzeige. Wäre ich in der Vergangenheit nicht für zahlreiche Fotobüchern im Digitaldruckverfahren mit der gleichen Monitor-Fotoprogramm-Konstellation mit sehr schönen Ergebnissen belohnt worden, hätte ich womöglich meiner Basic-Technik Schuld an diesem Desaster gegeben. Außerdem gab es eine Druckvorschau, die ich abgesegnet hatte, die aber mit dem Ergebnis kaum übereinstimmt. 

Einige werden sagen, es kommt nicht auf das Äußere an, der Text macht das Buch aus. Das ist richtig, aber wir alle wissen, dass heute von vielen Kunden Cover, nicht Inhalte, gekauft werden. Fängt nicht fast jede Buchrezension an mit „Das Cover …“?

Spontan entschloss ich mich deshalb, nicht mehr die Antwort auf meine zweite Email-Reklamation abzuwarten (wieder lag natürlich ein Wochenende dazwischen) und umgehend eine zweite Neuauflage mit einem dezent überarbeiteten Cover in Angriff zu nehmen. Manchmal, so glaube ich, ist ein schneller, sauberer Schnitt weniger schmerzhaft als eine nicht heilende Wunde. 

Die problematischen (Grünstichgefahr!) Holztöne wurden themengetreu ’nächtlich‘ abgedunkelt, der mittlere Fokus durch die Astlöcher hingegen aufgehellt, um optische Tiefe zu erzielen.  Die Titelschrift Georgia Standard wurde in eine fette Variante gewandelt und da sie jetzt zu flatschig wirkte, durch Hinzufügen eines zusätzlichen Brush-Fonts leichter gemacht. Für die Schriftfarbe wurde für beide Fonts ein einheitlicher türkis-blauer Verlauf (wir wollen es ja nicht übertreiben) ausgesucht, der weitläufig an Dämmerungs-, aber auch Wasserübergänge erinnern soll. Die hellbeigen Verzierungen hatten ausgedient, da diese Holz-Nuance ansonsten nicht mehr vertreten war und wurden nun schlicht weiß. Zum Schluss musste nur noch der Schmutztitel typografisch angeglichen werden – fertig! 

Original-Vorlagen zum Rebirthday und Re-Rebirthday des Covers

Die Menüführung beim Anbieter ist intuitiv und recht gut verständlich, und nachdem das Cover wunschgemäß wieder in eine PDF Datei konvertiert wurde, konnte ich es endlich hochladen, sogar ohne eine neue ISBN zu benötigen*. Nun heißt es hoffen und bangen, ob das Ergebnis auch so ist, dass ich es guten Gewissens anbieten und ich, wie hieß es in der alten Kaffeeröster-Werbung, „dafür mit meinem Namen stehen“ kann. Wenn es aussieht wie in der Vorschau, sollte Nichtgefallen lediglich aufgrund persönlichen Geschmacks und nicht wegen mangelhafter Druck-Qualität möglich sein. Aber war ich an diesem Punkt nicht schon einmal? 

In dieser Kürze mag sich der Vorgang recht simpel darstellen, zog und zieht jedoch noch einen Rattenschwanz an Folgeänderungen nach sich. Alle Aufgaben, die ich längst erledigt glaubte, müssen ebenfalls eine Änderung durchlaufen: Buchtrailer für Amazon und YouTube, Instagram, Blog-/Website … Auch die Änderungen, die hinter fremden Kulissen ablaufen (eBook-Anpassung, Vorschaubilder bei den Buchanbietern …) sind bestimmt kein lustiger, leichtfertig gewählter Zeitvertreib. Hätte ich allerdings noch auf erneute Korrekturversuche gewartet, wären darüber Wochen ins Land gegangen und mehr potentielle Käufer wären unterdessen vielleicht unzufrieden. Wenn es wieder nicht klappt, höre ich auf mit der Selfpublisherei und schreibe fortan für die Schublade, habe ich geschworen! 😩

Warum ich das überhaupt erzähle? Primär natürlich, um das veränderte Erscheinungsbild des Covers zu erklären, aber auch um eine unerfreuliche Kehrseite des Selfpublishing zu thematisieren. Eine von etlichen, die in der Euphorie der gefeierten Selbstherrlichkeit gerne totgeschwiegen wird. Runtergebrochen auf meine ganz persönliche Ansicht: Eigentlich will ich bloß Geschichten erzählen. Weder will ich marktschreierisch durch Social Media marodieren und mich selbst und meine Bücher anpreisen, noch bin ich in der Lage, sackweise Euros für professionelle Dienstleistungen zu verballern, die ich nie und nimmer wieder durch Einnahmen decken werde. Nur ein exklusives „Hobby“, also? Modelleisenbahner, Sammler von Nippes und Co., handwerkelnde, malende oder sportelnde Mitmenschen versenken ebenfalls viel Geld für ihre Kreativität und ihr Vergnügen. Wo aber will ich hin?

Das Geheimnis zu meiner Zufriedenheit liegt im ehrlichen, selbstkritischen Anspruch. Dieses teuflische kleine Buch hat mich mit seinem ‚Re-Rebirthday‘ mal wieder an meine Grenzen geführt. Gut so! Ich erkenne meine Unruhe, mich endlich mit neuen Projekten beschäftigen zu wollen, während mich die abgeschlossen geglaubten, ständig in der Vergangenheit festhalten wollen. 

Das ist allemal besser als andersherum, oder?


*Nachtrag 28.08.2022: „Es könnte alles einfach sein, ist es aber nicht!“ Eine weitere Woche später erhalte ich die Nachricht, dass nun doch eine neue ISBN erforderlich ist und somit eine weitere Neubearbeitung erforderlich ist. Darauf folgt erneut mindestens eine Woche Wartezeit!


Happy Book Rebirthday!

‚Nachdrückliches‘ Ki-Ju-Buch

Es war mein Wunsch, ein Buch* zu schreiben, das ich selber gerne gelesen hätte, als ich in diesem Alter war. So sollte es sein, glaube ich. Aus dem gleichen Grund habe es mit zahlreichen Schwarz-weiß-Zeichnungen illustriert, denn besonders in jungem Lesealter ‚hangelt‘ man sich noch gerne an Bildern und kurzen Kapiteln durch eine Geschichte.

Ich war ein melancholisches Kind, eines, das Astrid Lindgrens ‚Mio‘ lieber mochte als ‚Pippi‘ und eines, das traurige Helden und Außenseiter mehr mochte als die überlegenen Siegertypen. Dieses Kind bin ich geblieben, denn ich bin eher ‚Team Neville oder Luna‘ als ‚Harry Potter‘, Team ‚Sam‘, nicht ‚Frodo‘, Team ‚Dory‘, nicht ‚Nemo‘ …

Manche Erwachsenen werden vielleicht sagen, das Thema des Buches ist zu schwierig oder zu traurig für Kinder. Vielleicht haben sie recht, aber, ja, das Leben ist manchmal verdammt traurig! Traurig sein und Weinen ist, genauso wie das glücklich sein und das Lachen, ein Teil von uns allen. Und so wie wir fröhliche Bücher lesen oder komische Filme sehen, um darüber zu reden, müssen wir auch über weniger lustige Themen sprechen können.

Es stimmt nicht, dass man von trauriger Musik oder von deprimierenden Themen noch schlechtere Stimmung bekommt. Sie helfen vielmehr, die bestehende Phase aktiv zu bewältigen und zu überwinden. Sind wir wieder ‚gut drauf‘, zieht es uns ganz automatisch wieder zu optimistischen, ausgelasseneren Inhalten und wir suchen Spaß.

Wer Lenny ein Stück auf seinem Weg begleitet, wird feststellen, wie viele Gefühle vollkommen natürlich und normal sind. Aus großer Trauer kann Zuneigung, Liebe, Freundschaft und wieder Glück werden oder andere mächtige Empfindungen.

Lenny hat durch einen Unfall seine Zwillingsschwester Lizzie verloren. Er hat alles Recht der Welt, zutiefst traurig darüber zu sein. Aber er ist zugleich stinkwütend auf sich selbst, denn er gibt sich die Schuld an der Tragödie. Sein Leben hat alle Farbe, alle Fröhlichkeit verloren.

In einer unerträglich heißen Sommernacht begegnet er einem schrulligen Mädchen, das ihn zu einem Abenteuer jenseits seiner Vorstellungskraft überredet.

Lasst Euch auf Lennys Abenteuer ein und redet darüber. Gut möglich, dass das Buch bloß zu traurig für Erwachsene ist!

*Stand 20.08.2022: Die soeben erst erschienene komplett überarbeitete Neuauflage geht derzeit in eine zweite, unfreiwillige Runde; mehr Infos im nächsten Beitrag und unter Books.


Titelbildcollage unter Verwendung eines Hintergrundfotos von Camera-man auf Pixabay – vielen Dank!

Mein ‚Mai-Light‘

Angst. Der Blick verengt sich zum Tunnel, das Herz rast, stolpert, fällt hin und kalter Schweiß bricht aus allen Poren. Im Kopf und im Magen breitet sich ein flaues Gefühl aus, die Atemluft wird knapp und die Kniescheiben zittern im Rhythmus jagender Angst. 

Solange wir die Kontrolle über den unterhaltsamen Adrenalin-Kick haben, suchen wir ihn. Wie lieben Horror-Filme, lesen Thriller, fahren Achter- oder Geisterbahn oder suchen sogar die tödliche Herausforderung, den Kick im Abenteuer. Doch wehe, die Angst dreht den Spieß um und treibt ihr perfides Spiel mit uns. Die hundertfach verstärkt erlebten Symptome der Panik reißen uns den Boden unter den Füßen weg! …

Während sich das Gros der Angstsachbücher und Publikationen thematisch dem Kampf, der Selbsthilfe oder den Therapien widmet, habe ich erfahren, wie individuelle eine Angsterkrankung, sowohl in ihrer Entstehung, als auch in ihren Auswirkungen ist, und wie wichtig Eigeninitiative und Motivation für eine Zustandsverbesserung sind.

Wir haben die Erwartungshaltung entwickelt, einfache Lösungen für jedes Problem zu erhalten und verzweifeln, wenn Erfolgsversprechen nicht funktionieren oder Therapien versagen. Zuspruch, Verständnis und Unterstützung finden wir oft nur im Austausch mit ähnlich Betroffenen. Ich habe mich stellvertretend für einige auf die autobiografische Reise, eine narrative Spurensuche nach meiner Angst begeben und erzähle, zu welchen, teils unbequemen, Erkenntnissen sie mich führte, wie sich mich modelliert hat und wie ich ihr Spiel mit mir empfindlich stören konnte.

Das entstandene Memoir ist neben dem Wunsch nach breiterem Verständnis und Enttabuisierung psychisch Erkrankter zugleich eine Liebeserklärung an die oft gönnerhaft belächelte Durchschnittlichkeit, das, durch eine Gesellschaft, die sich zunehmend über Geld und Geltung definiert, verpönte Mittelmaß.

39 ausgewählte Bilder aus meinem Ex-Instagram-Portfolio sind Bestandteil meines ‚Reiseberichts‘. Nach wie vor bin ich voller Ängste, aber Mensch genug, Sehnsucht nach erfreulichen, schönen Impressionen zu verspüren, die ich zur, hoffentlich ansteckenden, Inspiration teile, auch um zu widerlegen, dass Bildbände ausschließlich Höher-weiter-teurer-schöner-Zeugnisse ablegen müssen.

Mehr Infos zum Buch unter Vom Hasen, der auszieht, die Angst zu verlernen.