„Shit happens“

Oder „sowas kann passieren“!

Wahrlich, ein Buch mit Fallstricken, Tücken und Hindernissen! Immer neue Ameisenknochen bringen mich auf dem Weg zu einem zufriedenstellenden Ergebnis ins Straucheln! Die anfängliche Freude über die Neuauflage meines Debüts von 2016 wich ernüchternder Enttäuschung, als ich das erste gedruckte Exemplar nach langer Wartezeit in meinen Händen hielt. Der Druck des Covers hatte farblich wenig Ähnlichkeit mit meiner Vorlage! Der Schwarzanteil war gravierend und ein fieser Grünstich machte aus dem ‚Holzbuch‘ eine vermooste Antikausgabe. Über allem lag ein dunkler Schleier und die Farben wirkten stumpf, blass und schmuddelig.  

Der Support des On-demand-Dienstleisters reagierte freundlich und verständnisvoll und bot Hinweise und einen Ersatzdruck an, auf den ich dann wiederum etliche Tage warten musste. Leider konnte auch dieser Druck nicht punkten, da der Grünstich nur Platz für einen in Blau gemacht hatte. Brillanz? Farbtreue? Fehlanzeige. Wäre ich in der Vergangenheit nicht für zahlreiche Fotobüchern im Digitaldruckverfahren mit der gleichen Monitor-Fotoprogramm-Konstellation mit sehr schönen Ergebnissen belohnt worden, hätte ich womöglich meiner Basic-Technik Schuld an diesem Desaster gegeben. Außerdem gab es eine Druckvorschau, die ich abgesegnet hatte, die aber mit dem Ergebnis kaum übereinstimmt. 

Einige werden sagen, es kommt nicht auf das Äußere an, der Text macht das Buch aus. Das ist richtig, aber wir alle wissen, dass heute von vielen Kunden Cover, nicht Inhalte, gekauft werden. Fängt nicht fast jede Buchrezension an mit „Das Cover …“?

Spontan entschloss ich mich deshalb, nicht mehr die Antwort auf meine zweite Email-Reklamation abzuwarten (wieder lag natürlich ein Wochenende dazwischen) und umgehend eine zweite Neuauflage mit einem dezent überarbeiteten Cover in Angriff zu nehmen. Manchmal, so glaube ich, ist ein schneller, sauberer Schnitt weniger schmerzhaft als eine nicht heilende Wunde. 

Die problematischen (Grünstichgefahr!) Holztöne wurden themengetreu ’nächtlich‘ abgedunkelt, der mittlere Fokus durch die Astlöcher hingegen aufgehellt, um optische Tiefe zu erzielen.  Die Titelschrift Georgia Standard wurde in eine fette Variante gewandelt und da sie jetzt zu flatschig wirkte, durch Hinzufügen eines zusätzlichen Brush-Fonts leichter gemacht. Für die Schriftfarbe wurde für beide Fonts ein einheitlicher türkis-blauer Verlauf (wir wollen es ja nicht übertreiben) ausgesucht, der weitläufig an Dämmerungs-, aber auch Wasserübergänge erinnern soll. Die hellbeigen Verzierungen hatten ausgedient, da diese Holz-Nuance ansonsten nicht mehr vertreten war und wurden nun schlicht weiß. Zum Schluss musste nur noch der Schmutztitel typografisch angeglichen werden – fertig! 

Original-Vorlagen zum Rebirthday und Re-Rebirthday des Covers

Die Menüführung beim Anbieter ist intuitiv und recht gut verständlich, und nachdem das Cover wunschgemäß wieder in eine PDF Datei konvertiert wurde, konnte ich es endlich hochladen, sogar ohne eine neue ISBN zu benötigen*. Nun heißt es hoffen und bangen, ob das Ergebnis auch so ist, dass ich es guten Gewissens anbieten und ich, wie hieß es in der alten Kaffeeröster-Werbung, „dafür mit meinem Namen stehen“ kann. Wenn es aussieht wie in der Vorschau, sollte Nichtgefallen lediglich aufgrund persönlichen Geschmacks und nicht wegen mangelhafter Druck-Qualität möglich sein. Aber war ich an diesem Punkt nicht schon einmal? 

In dieser Kürze mag sich der Vorgang recht simpel darstellen, zog und zieht jedoch noch einen Rattenschwanz an Folgeänderungen nach sich. Alle Aufgaben, die ich längst erledigt glaubte, müssen ebenfalls eine Änderung durchlaufen: Buchtrailer für Amazon und YouTube, Instagram, Blog-/Website … Auch die Änderungen, die hinter fremden Kulissen ablaufen (eBook-Anpassung, Vorschaubilder bei den Buchanbietern …) sind bestimmt kein lustiger, leichtfertig gewählter Zeitvertreib. Hätte ich allerdings noch auf erneute Korrekturversuche gewartet, wären darüber Wochen ins Land gegangen und mehr potentielle Käufer wären unterdessen vielleicht unzufrieden. Wenn es wieder nicht klappt, höre ich auf mit der Selfpublisherei und schreibe fortan für die Schublade, habe ich geschworen! 😩

Warum ich das überhaupt erzähle? Primär natürlich, um das veränderte Erscheinungsbild des Covers zu erklären, aber auch um eine unerfreuliche Kehrseite des Selfpublishing zu thematisieren. Eine von etlichen, die in der Euphorie der gefeierten Selbstherrlichkeit gerne totgeschwiegen wird. Runtergebrochen auf meine ganz persönliche Ansicht: Eigentlich will ich bloß Geschichten erzählen. Weder will ich marktschreierisch durch Social Media marodieren und mich selbst und meine Bücher anpreisen, noch bin ich in der Lage, sackweise Euros für professionelle Dienstleistungen zu verballern, die ich nie und nimmer wieder durch Einnahmen decken werde. Nur ein exklusives „Hobby“, also? Modelleisenbahner, Sammler von Nippes und Co., handwerkelnde, malende oder sportelnde Mitmenschen versenken ebenfalls viel Geld für ihre Kreativität und ihr Vergnügen. Wo aber will ich hin?

Das Geheimnis zu meiner Zufriedenheit liegt im ehrlichen, selbstkritischen Anspruch. Dieses teuflische kleine Buch hat mich mit seinem ‚Re-Rebirthday‘ mal wieder an meine Grenzen geführt. Gut so! Ich erkenne meine Unruhe, mich endlich mit neuen Projekten beschäftigen zu wollen, während mich die abgeschlossen geglaubten, ständig in der Vergangenheit festhalten wollen. 

Das ist allemal besser als andersherum, oder?


*Nachtrag 28.08.2022: „Es könnte alles einfach sein, ist es aber nicht!“ Eine weitere Woche später erhalte ich die Nachricht, dass nun doch eine neue ISBN erforderlich ist und somit eine weitere Neubearbeitung erforderlich ist. Darauf folgt erneut mindestens eine Woche Wartezeit!


2 Kommentare

  1. hmkaufmann sagt:

    Danke, liebe Rosa, für die (wie stets) so ermunternden Worte und den Zuspruch! Leider wird es tatsächlich noch ein paar Tage dauern, bis die Umstellung den Buchhandel und die Druckerei erreicht. (Vermutlich ist es im BoD-Buchshop am schnellsten geändert.) Dennoch, besser jetzt am Anfang eine Korrektur als später.

    Natürlich freue ich mich, dass Dir Lennys Geschichte bislang zusagt – hoffentlich bis zum Ende. Die etwas größere, kindgerechtere Typografie müsste Dir derzeit sehr entgegenkommen, aber übertreibe es noch nicht mit Deinem zu 50% verbesserten Durchblick ;o).
    Liebe Grüße,
    Heather

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Heather,
    Deine Gefühle und Deinen Ärger kann ich gut nachempfinden, ginge es mir doch in Deiner Situation genauso. Ich hoffe nun, die 2. Auflage wird besser und Du kannst das Projekt ruhigen Herzens loslassen und Dich anderen Sachen zuwenden.
    Bei Amazon ist aber immer noch die 1. Edition zu sehen, und die habe ich auch zugeschickt bekommen. Deswegen weiß ich, was Du meinst. Doch habe ich gestern das Buch angefangen zu lesen und was soll ich sagen? Mir gefällt es sehr. Eine schöne Sprache, der ich gut folgen kann. Und es ist spannend – ich möchte unbedingt erfahren, wie es weiter geht, in welche Abenteuer die Protagonisten geraten. So soll ein gutes Buch doch auch sein, so macht das Lesen Spaß. Ich bin mir sicher, dass ich nicht enttäuscht sein werde. Ich drücke Dir die Daumen für den Erfolg.
    Herzliche Grüße
    Rosa
    PS: Der Videotrailer zum Buch ist auch sehr ansprechend. Toll gemacht!

    Gefällt 1 Person

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