Zukunft des Schreibens: Menschliches Genie oder KI?

Nahezu sämtliche, von mir verfolgte Diskussionen um den Einsatz von KI beim Schreiben von (vornehmlich) belletristischer Literatur scheinen mit dem Fazit zu enden: KI böse, Mensch gut. 

Es wird jedoch keine Umkehr geben, denn alles was möglich ist, setzen Menschen früher oder später um. Es geht also um den Umgang und die Akzeptanz von KI beim Schreibprozess. Selbstkritisch betrachtet, arbeiten KI und Mensch zudem längst nicht so unterschiedlich. Je früher wir einsehen, dass viele das menschliche Genie oft überbewerten und KI als seelenlos abstempeln, desto schwerer können wir die künftige Entwicklung annehmen und werden uns in der Rührseligkeit vergangener Zeiten und unserer Hybris aalen.

Auch ein menschliches Gehirn kann (wie KI) zunächst nur das speichern und ‚neu zusammenfügen‘, was zuvor hineingelangte. Ein (hoffentlich fiktiver) Mensch, der nie ein Buch las, nie Geschichten lauschte und keinerlei bildende Kontakte hatte, wird mitnichten in der Lage sein, ein Buch zu schreiben. Allein der Zugriff auf seine Seele, auf seine Emotionen reichen dafür nicht aus. Aus diesem Grund wird jedem neuen Schreibwilligen geraten, zunächst VIEL, sehr viel zu lesen, um den Gebrauch des ‚Werkzeugs‘ zu erlernen. 

Ergo: Auch wir setzen, wie die KI, genau genommen neu zusammen, was wir gespeichert haben. Da unsere Kapazität jedoch deutlich niedriger ist als die modernsten Rechner, speichern wir das ab, was uns besonders wichtig, von besonderer Tiefe oder Emotionalität erscheint – wir filtern, werten, speichern, und als Maßstab gilt unsere eigene Biografie. KI hingegen nimmt bedingungslos alles, was ihr zugeführt wird. Sie hat keine Wertvorstellung. Das bedeutet, im Kern tun wir das Gleiche, wenn wir schreiben. Ein Mensch schreibt nicht per se besser weil er aus Fleisch und Blut ist. Jede Redewendung hörten oder lasen wir schon, weshalb sie auch nicht wirklich die unsere ist. Auch unsere Plots stellen wir nur neu aus dem zusammen, was uns in Erinnerung geblieben ist und was wir dann anpassen. Das Rad ist längst erfunden. Natürlich hören wir das nicht gerne, denn wir wollen ja unsere Einzigartigkeit feiern. Wir leugnen, wir behaupten, besondere Einblicke, besondere Gefühle, eine besondere Sprache, einen eigenen Stil zu haben, aber selbst wenn das mal zutrifft, nimmt ein anderer Geist es auf und wandelt es in seine. So wie KI! By the Way: Einen Prompt für ein gutes KI-Buch schreibt auch kein Depp!

Es wird darauf hinauslaufen, dass der menschliche Geist und KI gemeinsam Texte erschaffen werden und der Leser entscheidet, ob ihn das Werk berührt, im hilft, ihn unterhält, ihn etwas lehrt, ihn in fremde Welten entführt oder nur Freude bereitet. In fünfzig Jahren wird es niemanden mehr interessieren, wie groß der jeweilige Anteil Mensch/Maschine sein wird. Das können wir bedauern, wir können heulen und mit den Zähnen klappern, aber weder verhindern noch aufhalten. Aber wir können an der eigenen Anspruchsschraube drehen in dieser Kooperation. Wir können dem Kommerz folgen und den Markt bedienen mit dem, was wie geschnitten Brot läuft. Doch sollten auch Bücher für Menschen verfasst werden, die sich dafür entscheiden, nicht nur Zeit totzuschlagen und Spaß zu haben, sondern etwas höhere Ziele verfolgen. Also Henne oder Ei? 

Der Sektor TV ist dieser Frage minimal voraus und die Entwicklung ist mehr als traurig. Das Medium befriedigt ausschließlich den Massengeschmack, je trashiger, desto besser. Ergebnis: Die Zuschauer wollen immer mehr von dem Mist. Kein Bildungsfernsehen, sondern Erziehung zum Gegenteil, womit die Nachfrage steigt. In Kombination zum tumben Digitalangebot von entsprechenden Plattformen, zeichnet sich ein düsteres Bild für unsere Zukunft, unseren IQ ab. Und der Buchmarkt ist im Begriff eine ähnliche Entwicklung zu verfolgen: Bedienung des Massengeschmacks, billig und schnell produziert (KI sei Dank) für den schnellen Verzehr ohne Nachklang. In einem ist uns die Technologie überlegen: Sie ist schneller, sie ist präziser.

Wir können am fließend einzusetzenden KI-Support oder sogar gänzlich von KI geschriebene Bücher nicht verhindern, aber wir können an unserem eigenen Vorlieben und dem Anspruch arbeiten. Bleiben 08/15 Bücher in den Regalen stehen (egal ob von Mensch oder KI) wird der Buchmarkt sich selbst regulieren. Angst muss letztlich nur der Schreibende haben, der schon jetzt spürt, das Rennen zu verlieren.

Ähnlich verhält es sich mit KI generierten Bildern. Und doch gab es über die Zeiten unvergessene Talente, die Herausragendes schufen. Heute sind sie Trainingsmaterial für einen Prompt, wie bspw. „Bitte generiere mir ein Bild von einem Mohnfeld in Stil von van Gogh“. Dennoch entsteht keine wirkliche Kunst.


Das Titelbild ist von Fran Soto auf pixabay – vielen Dank!

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