Happy Book Rebirthday!

‚Nachdrückliches‘ Ki-Ju-Buch

Es war mein Wunsch, ein Buch* zu schreiben, das ich selber gerne gelesen hätte, als ich in diesem Alter war. So sollte es sein, glaube ich. Aus dem gleichen Grund habe es mit zahlreichen Schwarz-weiß-Zeichnungen illustriert, denn besonders in jungem Lesealter ‚hangelt‘ man sich noch gerne an Bildern und kurzen Kapiteln durch eine Geschichte.

Ich war ein melancholisches Kind, eines, das Astrid Lindgrens ‚Mio‘ lieber mochte als ‚Pippi‘ und eines, das traurige Helden und Außenseiter mehr mochte als die überlegenen Siegertypen. Dieses Kind bin ich geblieben, denn ich bin eher ‚Team Neville oder Luna‘ als ‚Harry Potter‘, Team ‚Sam‘, nicht ‚Frodo‘, Team ‚Dory‘, nicht ‚Nemo‘ …

Manche Erwachsenen werden vielleicht sagen, das Thema des Buches ist zu schwierig oder zu traurig für Kinder. Vielleicht haben sie recht, aber, ja, das Leben ist manchmal verdammt traurig! Traurig sein und Weinen ist, genauso wie das glücklich sein und das Lachen, ein Teil von uns allen. Und so wie wir fröhliche Bücher lesen oder komische Filme sehen, um darüber zu reden, müssen wir auch über weniger lustige Themen sprechen können.

Es stimmt nicht, dass man von trauriger Musik oder von deprimierenden Themen noch schlechtere Stimmung bekommt. Sie helfen vielmehr, die bestehende Phase aktiv zu bewältigen und zu überwinden. Sind wir wieder ‚gut drauf‘, zieht es uns ganz automatisch wieder zu optimistischen, ausgelasseneren Inhalten und wir suchen Spaß.

Wer Lenny ein Stück auf seinem Weg begleitet, wird feststellen, wie viele Gefühle vollkommen natürlich und normal sind. Aus großer Trauer kann Zuneigung, Liebe, Freundschaft und wieder Glück werden oder andere mächtige Empfindungen.

Lenny hat durch einen Unfall seine Zwillingsschwester Lizzie verloren. Er hat alles Recht der Welt, zutiefst traurig darüber zu sein. Aber er ist zugleich stinkwütend auf sich selbst, denn er gibt sich die Schuld an der Tragödie. Sein Leben hat alle Farbe, alle Fröhlichkeit verloren.

In einer unerträglich heißen Sommernacht begegnet er einem schrulligen Mädchen, das ihn zu einem Abenteuer jenseits seiner Vorstellungskraft überredet.

Lasst Euch auf Lennys Abenteuer ein und redet darüber. Gut möglich, dass das Buch bloß zu traurig für Erwachsene ist!

*Stand 20.08.2022: Die soeben erst erschienene komplett überarbeitete Neuauflage geht derzeit in eine zweite, unfreiwillige Runde; mehr Infos im nächsten Beitrag und unter Books.


Titelbildcollage unter Verwendung eines Hintergrundfotos von Camera-man auf Pixabay – vielen Dank!

Mein ‚Mai-Light‘

Angst. Der Blick verengt sich zum Tunnel, das Herz rast, stolpert, fällt hin und kalter Schweiß bricht aus allen Poren. Im Kopf und im Magen breitet sich ein flaues Gefühl aus, die Atemluft wird knapp und die Kniescheiben zittern im Rhythmus jagender Angst. 

Solange wir die Kontrolle über den unterhaltsamen Adrenalin-Kick haben, suchen wir ihn. Wie lieben Horror-Filme, lesen Thriller, fahren Achter- oder Geisterbahn oder suchen sogar die tödliche Herausforderung, den Kick im Abenteuer. Doch wehe, die Angst dreht den Spieß um und treibt ihr perfides Spiel mit uns. Die hundertfach verstärkt erlebten Symptome der Panik reißen uns den Boden unter den Füßen weg! …

Während sich das Gros der Angstsachbücher und Publikationen thematisch dem Kampf, der Selbsthilfe oder den Therapien widmet, habe ich erfahren, wie individuelle eine Angsterkrankung, sowohl in ihrer Entstehung, als auch in ihren Auswirkungen ist, und wie wichtig Eigeninitiative und Motivation für eine Zustandsverbesserung sind.

Wir haben die Erwartungshaltung entwickelt, einfache Lösungen für jedes Problem zu erhalten und verzweifeln, wenn Erfolgsversprechen nicht funktionieren oder Therapien versagen. Zuspruch, Verständnis und Unterstützung finden wir oft nur im Austausch mit ähnlich Betroffenen. Ich habe mich stellvertretend für einige auf die autobiografische Reise, eine narrative Spurensuche nach meiner Angst begeben und erzähle, zu welchen, teils unbequemen, Erkenntnissen sie mich führte, wie sich mich modelliert hat und wie ich ihr Spiel mit mir empfindlich stören konnte.

Das entstandene Memoir ist neben dem Wunsch nach breiterem Verständnis und Enttabuisierung psychisch Erkrankter zugleich eine Liebeserklärung an die oft gönnerhaft belächelte Durchschnittlichkeit, das, durch eine Gesellschaft, die sich zunehmend über Geld und Geltung definiert, verpönte Mittelmaß.

39 ausgewählte Bilder aus meinem Ex-Instagram-Portfolio sind Bestandteil meines ‚Reiseberichts‘. Nach wie vor bin ich voller Ängste, aber Mensch genug, Sehnsucht nach erfreulichen, schönen Impressionen zu verspüren, die ich zur, hoffentlich ansteckenden, Inspiration teile, auch um zu widerlegen, dass Bildbände ausschließlich Höher-weiter-teurer-schöner-Zeugnisse ablegen müssen.

Mehr Infos zum Buch unter Vom Hasen, der auszieht, die Angst zu verlernen.

Weihnachten aus der Tube?

Die Geschenkeschlacht unterm Baum ist geschlagen, die erste Runde des Festtagsbratens liegt neben einem Stück Weihnachtstorte grummelnd im Magen, während gerechnet wird, mit wie vielen G man wo im Januar Winterurlaub machen kann. Das Städtchen wurde in der Heiligen Nacht zart angeschneit und lockt mit funkelndem Diamantlicht das satte Volk ins Freie, um die neuen Jäckchen, Mäntelchen, Mützchen und Stiefelchen auszuführen.

Ich drücke mich um derartigen Schaulauf, genieße die erlaubte Faulheit nach Tagen des geschäftigen Treibens. Will meine Beine lieber in die olle Jogginghose und meine Nase lieber in den frischen Druckduft meines neuen, selbstgeschenkten Robotham-Krimis stecken und die Spannung inhalieren, will einen sahneweißen Bogen Zeichenpapier auf mein Brett spannen und die Stifte herumtollen lassen, vielleicht Liegengebliebenes in aller Ruhe aufarbeiten und dazu CDs hören. Und noch während ich dieses will und jenes, sind die wundervollen Tage ‚zwischen den Jahren‘ auch schon vorüber! Im Anschluss habe ich nichts vorzuweisen, außer, ja, außer vielleicht einem winzigen Tik weniger Hek.

Genießt die verbleibende Weihnachtsstimmung und haltet euch mit Kontakten rücksichtsvoll zurück. Ich wünsche Euch ein gesundes, zufriedenes Neues Jahr und die Stärke und Kreativität, auch aus dieser bedrohlichen, außergewöhnlichen Zeit etwas Besonderes zu machen und neue Wege zu gehen. Baldige und vollständige Genesung wünsche ich denen, die sich, egal mit welcher Erkrankung oder Not, plagen!


Urheberrechtlich geschützt © 2021 H. M. Kaufmann

„Häschenschule“ Twenty-twentyone

Seht, wie ihre Augen strahlen,
wenn sie lernen falsche Eier malen.
Jedes Häslein nimmt verboten
einen Pinsel in die Pfoten,
färbt die Viren, stachlig rund,
mit den schönsten Farben bunt.
Wer´s nicht kann, der darf auf Erden
nie ein Fälscher-Hase werden.

Ich bitte Fritz Koch-Gotha und Albert Sixtus post mortem um Verzeihung, dass ich ihr Werk bildlich und textlich verfremdet habe. Meine „Pfote“ tat einfach, was der Kopf wollte!

Die „Häschenschule“ war nach „Hänschen im Blaubeerwald“ das zweite Buch meines Lebens und ich gab mit fünf Jahren vor, oder besser gesagt an, lesen zu können, indem ich die (originalen) Verse auswendig vortrug und an den richtigen Stellen umblätterte.

Frohe Ostern und bleibt gesund!


Nach angegebener Vorlage urheberrechtlich geschützt © 2021 H. M. Kaufmann

„Es gibt nichts Gutes.“

Außer man tut es.

Erich Kästner

Zur Entstehungsgeschichte dieses Charitybuches wurde in den Medien inzwischen viel und ausführlich berichtet, und ich gehe davon aus, dass jeder Booknerd weiß, wie wichtig es ist, den Buchhandel durch den Kauf des Buches „Identität 1142“ (Herausgeber Sebastian Fitzek, 2020 Droemer Verlag) zu unterstützen. 

Aber auch jedes andere Buch hilft natürlich, die Vielfalt insbesondere der kleinen magischen, nach Druckerschwärze und neuem Papier duftenden Orte mit ihren prallvollen Bücherregalen zu erhalten. Letztlich helfen wir uns damit selbst, denn wer nicht zuhört, wird wortlos, wer nicht mehr liest, sprachlos. Ohne Worte, ohne Sprache ist Kommunikation unmöglich und wir könnten dann auch gleich wieder die Bäume beziehen. Es gibt eine wirklich sinnvolle Community – die der Leser und Lesebotschafter!

Ich bin, bezogen auf die Teilnehmerzahl, nur ein 1142stel dieser Idee, die ich, auch wenn ich mich dem Community-Voting für das zusätzlich erschienene eBook der beliebtesten Storys aus Prinzip verweigerte, dennoch aus voller Überzeugung mit diesem Kauftipp unterstütze! Und wenn ich schon so dreist und unbezahlt werbe, dann auch für eine der mehrheitlich ungedruckten Identitäten – meinen Kurzthriller „Schaf im Wolfspelz“. Ich hatte meinen Spaß dabei!


Urheberrechtlich geschützt © 2020 H. M. Kaufmann

Verkehrte Welt

Drabble

Ich kämpfe mich kraftvoll an die Oberfläche, schnappe gierig nach Luft und sauge sie tief ein, um mit der nächsten Welle wieder hinab in das dunkle, unendliche Braun des Ackersees zu tauchen. Als ich das nächste Mal, begleitet von einem krümeligen Schwall, den ich wie eine geplatzte Blase zurücklasse, nach oben paddele, hätte ich sie sehen können – meine Sehnsuchtsinsel! Eine wundervolle, erdumspielte Oase voller geheimnisvoller Geräusche und Gerüche, inmitten meines stillen Ozeans. Aber ich sehe äußerst schlecht und meine Bestimmung ist das Durchpflügen dieses Elements. Leben und Grab. Man nennt mich Erdwerfer oder Maulwurf, aber manchmal träume ich vom Meer.


© Inhalt urheberrechtlich geschützt – H. M. Kaufman 03.07.2020

Pennyvirus?

„We all float down here!“

Pennywise in „Es“ von Stephen King

„The Stand“ of „It“? Ich hatte offensichtlich wieder viel Zeit für eine spitze Feder und war ein böses, altes Mädchen! Mr King, einer meiner Lieblingsautoren wird hoffentlich nicht pennywisig wegen meiner Pennyvirus-Neuinterpretation.


Nach erwähnter Vorlage, urheberrechtlich geschützt © 2020 H. M. Kaufmann

Das Fossil

Die Vergangenheit von morgen beweint mich mit zähen Honigtränen und reißt mich aus meiner reglosen Gegenwart. Der erste dickflüssige Tropfen fängt, der zweite lähmt mich. Goldgelbe, klebrige Hoffnung auf Unsterblichkeit umhüllt meinen Körper und meine Welt wird still. Für immer müde, für immer wach, für immer tot, für immer lebendig.

Das Verhärten meines Tränenpanzers spüre ich genauso wenig wie das Schmirgeln der Gezeiten, das meine Oberfläche rau und blind macht. Blickdichte Verborgenheit in beide Richtungen. Bald unterscheidet mich nichts mehr von den Kieseln neben mir, außer meinem Gewicht, denn sie wiegen schwer in der Brandung, doch ich bin federleicht.

Äonen verrinnen und ich treibe in ihrer Strömung, bis ich plötzlich vom Zufall gefunden werde. Es wird hell und klar, als die Sonne in das uralte Gefängnis dringt, in dem mein junger Körper zu schweben scheint. Des Zufalls große Augen blicken hinein und entdecken staunend die Vergangenheit. Eine von unendlich vielen. Meine.

Der Zufall denkt an mich, überdenkt die Zeit an sich, wenn er im Herbst den Wald atmet, der sich alljährlich bernsteinfarben entblättert. Und während die Blätter wie Honigtränen regnen, fühlt er sich ein wenig wie ich. Was wohl von seiner Winzigkeit eines Tages bleibt? Ist die Ewigkeit etwa nur ein unsichtbarer Tropfen Harz, der seine Seele konserviert?


Urheberrechtlich geschützt © H.M.Kaufmann, 16.09.2019