Loch-Blech

Gedanken über Löcher.

Man kann in ein metaphorisches Loch fallen, was in Kopf und Bauch einen emotionalen Schwindel bis zur Übelkeit auslösen kann. Dieser depressive Zustand wird oft gerade dann erreicht, wenn man unter großen Mühen und Anstrengungen einen Gipfel oder zumindest eine kleine Anhöhe erreicht hat. Unten angekommen, muss man entweder ausharren, bis Hilfe kommt, oder man versucht sich, peu à peu heraus zu kämpfen, um wieder festen, vertrauten Boden unter den Füßen zu spüren.

Mit dem Monat Juni beginnt ein sich jährlich wiederholendes Schauspiel, dessen Hauptakteur ebenfalls ein Loch ist. Die Rede ist vom berühmt-berüchtigten Sommerloch, womit nicht die kleine Gemeinde im Kreis Bad Kreuznach gemeint ist, sondern die öde, langweilige Zeit der News-Sommerpause. Dieses Loch ist eng verwandt mit dem legendären Funkloch, denn bei beiden ist der Kontaktausfall zu Außenwelt gestört oder unterbrochen. Der Mensch wird dann auf sich selbst zurückgeworfen! Herrscht in seinem Inneren ebenfalls Leere (auch eine Art Loch), so fühlt sich der Mensch elend. Wir fragen mal ‚Wikipedia‘:

Das Sommerloch ist eine Bezeichnung in Bezug auf die Massenmedien, besonders der Tagespresse und der Nachrichtenagenturen, für eine nachrichtenarme Zeit, die vor allem durch die Sommerpause der politischen Institutionen und Sport-Ligen, ferner auch der kulturellen Einrichtungen bedingt ist.

Dass unsere Politiker sich eine ausgiebige Auszeit vom Piesacken ihrer Bürger gönnen, daran haben wir uns inzwischen genauso gewöhnt, wie an die Ersatznachrichten – ich denke an die ‚Schnappi‘-Kroko-Story –, die uns das Info-Loch versüßen sollen. Kaum aus unserer heutigen Kultur wegzudenken, ist Social Media, und auch dort dehnt sich dieses Loch aus. Aber ist es nur ein Sommerloch? Ich befürchte, es handelt sich sogar um ein Schwarzes Loch! Was ist das nun wieder? Wir löchern (ha, ha) erneut ‚Wikipedia‘, das übrigens nie Urlaub macht und uns verlässlich Auskunft über allerlei Wissenswertes gibt:

Ein Schwarzes Loch ist ein Objekt, dessen Masse auf ein extrem kleines Volumen konzentriert ist und infolge dieser Kompaktheit in seiner unmittelbaren Umgebung eine so starke Gravitation erzeugt, dass nicht einmal das Licht diesen Bereich verlassen oder durchlaufen kann.

Ja, ich erkenne durchaus Parallelen! Viel Masse, hochkonzentriert zusammengequetscht auf einer Plattform, mit extrem hoher Anziehungskraft, der kaum ein User entkommt und die letztlich alles in tiefschwarzer Dunkelheit versinken lässt. Kein Licht entkommt. Die, die den Sogwirbel rechtzeitig erkennen, suchen ihr Heil in der Flucht. Schaffen sie es, dauerhaft zu entkommen? Was ist Licht, was ist Dunkelheit? Bezogen auf Social Media ist für mich Licht identisch mit Content, mit Mehrwert. Inhalte, die mich bereichern, weil sie mich erheitern, ich Neues erfahre und dazulerne, teilhaben kann am Schaffen anderer, um selbst daran zu wachsen. Dunkelheit ist das Übermaß an Eigendarstellungen, an Fakegeschichten, Gelogenem, Geschöntem, an platten Affirmationen, an Angeberei und Dauerwerbung. All das zieht mich hinunter in das eingangs erwähnte Loch. Solche Inhalte zerstören, nerven und ermüden mich. Sie haben eine durch und durch toxische Wirkung! Das führt mich zu einer weiteren ‚Wikipedia‘-Loch-Definition (nein, ich werde nicht dafür bezahlt):

Eine durch Beschädigung entstandene offene Stelle, an der die Substanz nicht mehr vorhanden ist.

Hm, diese Erklärung trifft sogar noch besser auf einige Plattformen zu! Fehlende Substanz? In dieses Sommerloch schlüpfe ich jetzt, denn es scheint tatsächlich die beste Zeit zu sein, um sich unbeliebt zu machen, und in Ungnade gefallene Themen anzuschneiden. In diesen Wochen, in denen allenfalls seichte Luftmatrazen-Schmonzetten und Sandburgen-Lyrik gefragt ist, bemerkt kaum jemand einen Beitrag wie diesen. 

Ende 2022 habe ich mich an einer mehrwöchigen Challenge von ‚Papyrus-Autor‘, meinem favorisierten Schreibprogramm beteiligt. Eine kleine Auswahl meiner Kurzgeschichten-Ergebnisse habe ich unter dem Reiter Tiny Tall Tales (die Inhaltsangabe verweist auf das Wochenthema) eingestellt, die der geneigte Leser jedoch ohne folgende Linkhilfe nicht finden würde, da nur neue Blogbeiträge angezeigt werden, aber keine neuen Seiten. Sofern mich die Themen reizen, mache ich gerne bei kleinen Wettbewerben mit, weil sie eine gute Übung für fokussiertes Schreiben über ein bestimmtes Thema und mit fixen Rahmenvorgaben sind. Im Idealfall bieten die Themen sogar hilfreiche Impulse für eigene Ideen und Projekte. Das ist auch hier geschehen – doch das ist ein anderes Thema für einen anderen Beitrag. Hier kommen die vier Neuzugänge, meine Sommerloch-Füller:

Vielleicht gefallen Sie euch!


Space-Beitragsfoto für Collage: Placidplace auf Pixabay – vielen Dank!

Happy Birthday, mein Hase!

Das erste Jahr.

Vergangenen Sonntag – wie´ s der Zufall will, auch Muttertag – feierte mein Memoir-Angsthase sein erstes Wiegenfest. Menschenkinder stehen in diesem Alter schon auf ihren Beinchen, beherrschen die Küstenschifffahrt (das Herumlaufen mit Hand-Möbel-Kontakt) oder sie sind sogar schon aus dem Hafen ausgelaufen, um, immer noch in Hafennähe, freie Gewässer zu erobern.

Mein Buch ist längst nicht so weit. Und das liegt keineswegs am Kind, sondern an mir, der ängstlichen Mutter, die dem Kind zu wenig zutraut und sich selbst noch viel weniger. Ich habe die Mühen unterschätzt, dass Mütter und Väter, die ohne Verlagsbetreuung ihre Kinder großziehen müssen, ständig auf Elternabende eilen und permanent mit anderen Eltern eng vernetzt sein müssen, um uns über unsere lieben Kleinen auszutauschen und sie so zu fördern. 

Es ist faszinierend, wie ähnlich dann das Vergleichen der Buchkinder geschieht – ganz so, wie auf den Spielplätzen und Elterntreffen unserer zweibeinigen, wirklichen Kinder. Es wird geprahlt, gemessen, abgewogen, getröstet, gepriesen, gepfiffen und getrommelt! Bedauerlicherweise ist das nicht meine Kernkompetenz und ich lobe mich schon, hier den Geburtstag kund zu tun! Ähnlich verhält es sich mit der Aufmerksamkeit und der Wahrnehmung. Ein in vielfältiger Weise auffälliges Kind wird in der Masse eher wahrgenommen als ein schüchternes.

Das erste Menschenjahr ist eines der großen Entwicklungssprünge, aber dennoch liegen ebenso wichtige Etappen noch vor dem Kind. Hingegen ist für Buchkinder das allerwichtigste Jahr, das erste Jahr nach dem Erscheinen, nun vorüber! Es setzt allmählich die Zeit des Vergessens ein. Eine schmerzliche Erkenntnis nach der langen, beschwerlichen Schwangerschaft. Aber vielleicht sind bald die nächsten Kinder unterwegs und wir Eltern haben von den Erfahrungen mit den älteren Geschwister gelernt?

Ein Buch ist erst dann vergessen, wenn es nicht mehr gelesen wird!


Beitragsfoto-Collage: Hase von Lutz Peter, Kerze von rmadison auf Pixabay – vielen Dank!

Zwischen Au und Wow

Riesenraderfahrungen.

Den folgenden Beitrag veröffentlichte ich auf meinem Blog einige Tage bevor das beschriebene Event stattfinden sollte:

(…) Erstmals werde ich mich am Sonntag, den 7. Mai aus meinem sicheren Bau wagen, einen schlichten Büchertisch neben ihm aufbauen und meine Angsthasenlöffel weit aufsperren. Der Mut reicht nicht für eine Lesung, aber für öffentliche Anwesenheit samt meiner ‚Werke’ und meiner Sozialphobie. Und ich werde die frühlingsgrüne Schleife tragen. Das Zeichen für die Bereitschaft, meine Angst-Geschichte in einem Memoir zu teilen, zu ihr – zu MIR – zu stehen und so auch für Toleranz im Allgemeinen zu werben. Das hoffnungsvolle Maigrün des Symbols mag ausschließlich für psychische Erkrankungen stehen, aber tragen wir nicht alle irgendeine Schleife? Auch wenn sie unsichtbar ist? Und egal, welche Farben sie hat, es wäre doch einfach traumhaft, würden wir auch ohne ein solches Symbol öfter hinhören, im positiven Sinne neugieriger sein und uns mit Empathie anderen Menschen zuwenden. Alles, was wir geben können, erhalten wir bekanntlich vielfach zurück!

Die ‚Grüne Schleife‘ erinnert mich an eine verschlungene Ranke, einen frischen Austrieb, der erst einmal mutig ein Stück jeder Richtung erforscht, um Halt, Licht und Raum zur Entfaltung zu suchen. Es stört nicht, dass das junge Pflänzchen dabei vielleicht im Kreis wächst. Aus dieser Idee heraus entstand mein Give-away für den oben erwähnten Tag, an dem ich dieses Lese-Zeichen setzen möchte.

Jetzt, zwei Tage nach diesem Marktsonntag lasse ich ihn noch einmal für mich Revue passieren. Meine allergrößte Sorge, das angekündigt schlechte Wetter, löste sich buchstäblich in herrlich blaue, wenn auch kühle, Luft auf. Dennoch stieß mein Büchertisch von kleinen, aber dafür um so sympathischeren Ausnahmen mal abgesehen, auf reges DESinteresse. Mögliche Gründe analysiere ich wie folgt, wobei Nr. 5 am schwersten wiegt:

  1. Bücher kosten Geld und das sitzt bekanntlich in Tagen wie diesen nicht mehr locker. Wieviel sie tatsächlich kosten fanden jedoch auch nur wenige heraus, denn zumeist wurde das gesamte Angebot schon aus der Ferne ignoriert.
  2. Bücher muss man lesen. Leider ein Hobby, das allgemein an Schwindsucht leidet (besonders bei Kindern – Stichwort Vorbild).
  3. Fehlende (positive) Neugier. Geminderte Kaufkraft ist eine Sache, eine andere, dass nicht einmal Fragen gestellt wurden oder ein Gespräch zustande kam.
  4. Subjektiver Gesamteindruck: Das Publikum suchte in erster Linie heiteres Entertainment und leibliches Wohl.
  5. Mein FREIWILLIG (man hat mir mehrfach ein zentrales, sehr schönes Plätzchen schmackhaft gemacht) von mir gewählt schlechter Standort. Na klar, so weit ab vom Schuss wird man nur von zielorientiertem Publikum gefunden, anders als auf der dicht standbestückten Flaniermeile.
  6. Folge: Abschreckend leerer Stand erzeugt den Trugschluss von uninteressantem Angebot und vermeintlichem Kaufdruck.
  7. Genres der beiden vorgestellten Bücher: Jugendbuch und – ja, biste denn verrückt! – Memoir einer PSYCHISCH (hier hört man förmlich die Hintergrundmusik von Hitchcocks „Psycho“) Behinderten. Schwierig, schwierig!
  8. Selfpublisher sind eben doch keine ‚richtigen‘ Autoren?

Noch einmal bedanke ich mich aber dennoch herzlich bei dem äußerst entgegenkommenden und sehr bemühten Veranstalter, dem Verein Freiraum Kunst und Kultur Grebenstein e.V. www.kuku-grebenstein.de dafür, dass ich an diesem Tag dabei sein durfte, um diese Erfahrung zu machen. Wie ich hörte, lief es in dem eigentlichen Aktionsradius der Veranstaltung optimal und sowohl das Angebot als auch das Interesse waren dort groß!

Warum ich über meine Flops berichte? Ganz einfach, weil in der Selfpublisher-Bubble viel zu viel Geschöntes, Unechtes gezeigt wird und es immer noch Menschen gibt, die glauben, man könnte mit dem Schreiben von Büchern ganz easy wohlhabend und bekannt werden. Wie in jeder anderen Branche, gibt es natürlich Ausnahmen, aber wer nur danach strebt, liegt mit dieser Motivation definitiv falsch! Das, was uns Social Media zeigt, ist ohnehin nur ein Zerrbild der Realität.

Doch es gibt auch Highlights! Aber sie sind bescheiden. Sie geben der kleinen lodernden Kerzenflamme der Kreativität gerade so viel Nahrung, so viel Sauerstoff, um nicht zu verlöschen. (Dafür dankt sie es uns, indem sie länger und konstanter brennt.)

Gerade für Anfänger wie mich bieten Wettbewerbe ideale Spielplätze und die Gelegenheit für ‚Fingerübungen‘. Es gilt, sich an ausgeschriebene Regeln zu halten, sich dabei selbst auszuprobieren und Neues zwanglos zu testen. Darüber hinaus kann man von Zeit zu Zeit auch kleine Erfolge verbuchen – Sauerstoff für unser kreatives Flämmchen und Balsam für unser Selbstwertgefühl. Ende vergangenen Jahres habe ich beispielsweise einen kleinen Zeichenwettbewerb (Topp Art Week 2022 „Hands Up“, s. Zeichnung ‚Hasenhand‘) gewonnen und kürzlich einen Mini-Schreibwettbewerb (Bookdate Contest 2023, mit der Ultrakurzgeschichte Never End) und freue mich über wertvolle, nützlichen Sachpreise. Wesentlich häufiger ging ich natürlich leer aus (falls jemand glaubt, ich wäre der große Abräumer). Leer nur im Sinne von Sieg oder Platz; Erfahrungen – auch die, mit Niederlagen klar zu kommen – nahm ich IMMER daraus mit!

Fazit: Wie im Riesenrad geht es auf und ab, und das eine ist ohne das andere nicht möglich!

„Shit happens“

Oder „sowas kann passieren“!

Wahrlich, ein Buch mit Fallstricken, Tücken und Hindernissen! Immer neue Ameisenknochen bringen mich auf dem Weg zu einem zufriedenstellenden Ergebnis ins Straucheln! Die anfängliche Freude über die Neuauflage meines Debüts von 2016 wich ernüchternder Enttäuschung, als ich das erste gedruckte Exemplar nach langer Wartezeit in meinen Händen hielt. Der Druck des Covers hatte farblich wenig Ähnlichkeit mit meiner Vorlage! Der Schwarzanteil war gravierend und ein fieser Grünstich machte aus dem ‚Holzbuch‘ eine vermooste Antikausgabe. Über allem lag ein dunkler Schleier und die Farben wirkten stumpf, blass und schmuddelig.  

Der Support des On-demand-Dienstleisters reagierte freundlich und verständnisvoll und bot Hinweise und einen Ersatzdruck an, auf den ich dann wiederum etliche Tage warten musste. Leider konnte auch dieser Druck nicht punkten, da der Grünstich nur Platz für einen in Blau gemacht hatte. Brillanz? Farbtreue? Fehlanzeige. Wäre ich in der Vergangenheit nicht für zahlreiche Fotobüchern im Digitaldruckverfahren mit der gleichen Monitor-Fotoprogramm-Konstellation mit sehr schönen Ergebnissen belohnt worden, hätte ich womöglich meiner Basic-Technik Schuld an diesem Desaster gegeben. Außerdem gab es eine Druckvorschau, die ich abgesegnet hatte, die aber mit dem Ergebnis kaum übereinstimmt. 

Einige werden sagen, es kommt nicht auf das Äußere an, der Text macht das Buch aus. Das ist richtig, aber wir alle wissen, dass heute von vielen Kunden Cover, nicht Inhalte, gekauft werden. Fängt nicht fast jede Buchrezension an mit „Das Cover …“?

Spontan entschloss ich mich deshalb, nicht mehr die Antwort auf meine zweite Email-Reklamation abzuwarten (wieder lag natürlich ein Wochenende dazwischen) und umgehend eine zweite Neuauflage mit einem dezent überarbeiteten Cover in Angriff zu nehmen. Manchmal, so glaube ich, ist ein schneller, sauberer Schnitt weniger schmerzhaft als eine nicht heilende Wunde. 

Die problematischen (Grünstichgefahr!) Holztöne wurden themengetreu ’nächtlich‘ abgedunkelt, der mittlere Fokus durch die Astlöcher hingegen aufgehellt, um optische Tiefe zu erzielen.  Die Titelschrift Georgia Standard wurde in eine fette Variante gewandelt und da sie jetzt zu flatschig wirkte, durch Hinzufügen eines zusätzlichen Brush-Fonts leichter gemacht. Für die Schriftfarbe wurde für beide Fonts ein einheitlicher türkis-blauer Verlauf (wir wollen es ja nicht übertreiben) ausgesucht, der weitläufig an Dämmerungs-, aber auch Wasserübergänge erinnern soll. Die hellbeigen Verzierungen hatten ausgedient, da diese Holz-Nuance ansonsten nicht mehr vertreten war und wurden nun schlicht weiß. Zum Schluss musste nur noch der Schmutztitel typografisch angeglichen werden – fertig! 

Original-Vorlagen zum Rebirthday und Re-Rebirthday des Covers

Die Menüführung beim Anbieter ist intuitiv und recht gut verständlich, und nachdem das Cover wunschgemäß wieder in eine PDF Datei konvertiert wurde, konnte ich es endlich hochladen, sogar ohne eine neue ISBN zu benötigen*. Nun heißt es hoffen und bangen, ob das Ergebnis auch so ist, dass ich es guten Gewissens anbieten und ich, wie hieß es in der alten Kaffeeröster-Werbung, „dafür mit meinem Namen stehen“ kann. Wenn es aussieht wie in der Vorschau, sollte Nichtgefallen lediglich aufgrund persönlichen Geschmacks und nicht wegen mangelhafter Druck-Qualität möglich sein. Aber war ich an diesem Punkt nicht schon einmal? 

In dieser Kürze mag sich der Vorgang recht simpel darstellen, zog und zieht jedoch noch einen Rattenschwanz an Folgeänderungen nach sich. Alle Aufgaben, die ich längst erledigt glaubte, müssen ebenfalls eine Änderung durchlaufen: Buchtrailer für Amazon und YouTube, Instagram, Blog-/Website … Auch die Änderungen, die hinter fremden Kulissen ablaufen (eBook-Anpassung, Vorschaubilder bei den Buchanbietern …) sind bestimmt kein lustiger, leichtfertig gewählter Zeitvertreib. Hätte ich allerdings noch auf erneute Korrekturversuche gewartet, wären darüber Wochen ins Land gegangen und mehr potentielle Käufer wären unterdessen vielleicht unzufrieden. Wenn es wieder nicht klappt, höre ich auf mit der Selfpublisherei und schreibe fortan für die Schublade, habe ich geschworen! 😩

Warum ich das überhaupt erzähle? Primär natürlich, um das veränderte Erscheinungsbild des Covers zu erklären, aber auch um eine unerfreuliche Kehrseite des Selfpublishing zu thematisieren. Eine von etlichen, die in der Euphorie der gefeierten Selbstherrlichkeit gerne totgeschwiegen wird. Runtergebrochen auf meine ganz persönliche Ansicht: Eigentlich will ich bloß Geschichten erzählen. Weder will ich marktschreierisch durch Social Media marodieren und mich selbst und meine Bücher anpreisen, noch bin ich in der Lage, sackweise Euros für professionelle Dienstleistungen zu verballern, die ich nie und nimmer wieder durch Einnahmen decken werde. Nur ein exklusives „Hobby“, also? Modelleisenbahner, Sammler von Nippes und Co., handwerkelnde, malende oder sportelnde Mitmenschen versenken ebenfalls viel Geld für ihre Kreativität und ihr Vergnügen. Wo aber will ich hin?

Das Geheimnis zu meiner Zufriedenheit liegt im ehrlichen, selbstkritischen Anspruch. Dieses teuflische kleine Buch hat mich mit seinem ‚Re-Rebirthday‘ mal wieder an meine Grenzen geführt. Gut so! Ich erkenne meine Unruhe, mich endlich mit neuen Projekten beschäftigen zu wollen, während mich die abgeschlossen geglaubten, ständig in der Vergangenheit festhalten wollen. 

Das ist allemal besser als andersherum, oder?


*Nachtrag 28.08.2022: „Es könnte alles einfach sein, ist es aber nicht!“ Eine weitere Woche später erhalte ich die Nachricht, dass nun doch eine neue ISBN erforderlich ist und somit eine weitere Neubearbeitung erforderlich ist. Darauf folgt erneut mindestens eine Woche Wartezeit!


Happy Book Rebirthday!

‚Nachdrückliches‘ Ki-Ju-Buch

Es war mein Wunsch, ein Buch* zu schreiben, das ich selber gerne gelesen hätte, als ich in diesem Alter war. So sollte es sein, glaube ich. Aus dem gleichen Grund habe es mit zahlreichen Schwarz-weiß-Zeichnungen illustriert, denn besonders in jungem Lesealter ‚hangelt‘ man sich noch gerne an Bildern und kurzen Kapiteln durch eine Geschichte.

Ich war ein melancholisches Kind, eines, das Astrid Lindgrens ‚Mio‘ lieber mochte als ‚Pippi‘ und eines, das traurige Helden und Außenseiter mehr mochte als die überlegenen Siegertypen. Dieses Kind bin ich geblieben, denn ich bin eher ‚Team Neville oder Luna‘ als ‚Harry Potter‘, Team ‚Sam‘, nicht ‚Frodo‘, Team ‚Dory‘, nicht ‚Nemo‘ …

Manche Erwachsenen werden vielleicht sagen, das Thema des Buches ist zu schwierig oder zu traurig für Kinder. Vielleicht haben sie recht, aber, ja, das Leben ist manchmal verdammt traurig! Traurig sein und Weinen ist, genauso wie das glücklich sein und das Lachen, ein Teil von uns allen. Und so wie wir fröhliche Bücher lesen oder komische Filme sehen, um darüber zu reden, müssen wir auch über weniger lustige Themen sprechen können.

Es stimmt nicht, dass man von trauriger Musik oder von deprimierenden Themen noch schlechtere Stimmung bekommt. Sie helfen vielmehr, die bestehende Phase aktiv zu bewältigen und zu überwinden. Sind wir wieder ‚gut drauf‘, zieht es uns ganz automatisch wieder zu optimistischen, ausgelasseneren Inhalten und wir suchen Spaß.

Wer Lenny ein Stück auf seinem Weg begleitet, wird feststellen, wie viele Gefühle vollkommen natürlich und normal sind. Aus großer Trauer kann Zuneigung, Liebe, Freundschaft und wieder Glück werden oder andere mächtige Empfindungen.

Lenny hat durch einen Unfall seine Zwillingsschwester Lizzie verloren. Er hat alles Recht der Welt, zutiefst traurig darüber zu sein. Aber er ist zugleich stinkwütend auf sich selbst, denn er gibt sich die Schuld an der Tragödie. Sein Leben hat alle Farbe, alle Fröhlichkeit verloren.

In einer unerträglich heißen Sommernacht begegnet er einem schrulligen Mädchen, das ihn zu einem Abenteuer jenseits seiner Vorstellungskraft überredet.

Lasst Euch auf Lennys Abenteuer ein und redet darüber. Gut möglich, dass das Buch bloß zu traurig für Erwachsene ist!

*Stand 20.08.2022: Die soeben erst erschienene komplett überarbeitete Neuauflage geht derzeit in eine zweite, unfreiwillige Runde; mehr Infos im nächsten Beitrag und unter Books.


Titelbildcollage unter Verwendung eines Hintergrundfotos von Camera-man auf Pixabay – vielen Dank!

Mein ‚Mai-Light‘

Angst. Der Blick verengt sich zum Tunnel, das Herz rast, stolpert, fällt hin und kalter Schweiß bricht aus allen Poren. Im Kopf und im Magen breitet sich ein flaues Gefühl aus, die Atemluft wird knapp und die Kniescheiben zittern im Rhythmus jagender Angst. 

Solange wir die Kontrolle über den unterhaltsamen Adrenalin-Kick haben, suchen wir ihn. Wie lieben Horror-Filme, lesen Thriller, fahren Achter- oder Geisterbahn oder suchen sogar die tödliche Herausforderung, den Kick im Abenteuer. Doch wehe, die Angst dreht den Spieß um und treibt ihr perfides Spiel mit uns. Die hundertfach verstärkt erlebten Symptome der Panik reißen uns den Boden unter den Füßen weg! …

Während sich das Gros der Angstsachbücher und Publikationen thematisch dem Kampf, der Selbsthilfe oder den Therapien widmet, habe ich erfahren, wie individuelle eine Angsterkrankung, sowohl in ihrer Entstehung, als auch in ihren Auswirkungen ist, und wie wichtig Eigeninitiative und Motivation für eine Zustandsverbesserung sind.

Wir haben die Erwartungshaltung entwickelt, einfache Lösungen für jedes Problem zu erhalten und verzweifeln, wenn Erfolgsversprechen nicht funktionieren oder Therapien versagen. Zuspruch, Verständnis und Unterstützung finden wir oft nur im Austausch mit ähnlich Betroffenen. Ich habe mich stellvertretend für einige auf die autobiografische Reise, eine narrative Spurensuche nach meiner Angst begeben und erzähle, zu welchen, teils unbequemen, Erkenntnissen sie mich führte, wie sich mich modelliert hat und wie ich ihr Spiel mit mir empfindlich stören konnte.

Das entstandene Memoir ist neben dem Wunsch nach breiterem Verständnis und Enttabuisierung psychisch Erkrankter zugleich eine Liebeserklärung an die oft gönnerhaft belächelte Durchschnittlichkeit, das, durch eine Gesellschaft, die sich zunehmend über Geld und Geltung definiert, verpönte Mittelmaß.

39 ausgewählte Bilder aus meinem Ex-Instagram-Portfolio sind Bestandteil meines ‚Reiseberichts‘. Nach wie vor bin ich voller Ängste, aber Mensch genug, Sehnsucht nach erfreulichen, schönen Impressionen zu verspüren, die ich zur, hoffentlich ansteckenden, Inspiration teile, auch um zu widerlegen, dass Bildbände ausschließlich Höher-weiter-teurer-schöner-Zeugnisse ablegen müssen.

Mehr Infos zum Buch unter Vom Hasen, der auszieht, die Angst zu verlernen.

Weihnachten aus der Tube?

Die Geschenkeschlacht unterm Baum ist geschlagen, die erste Runde des Festtagsbratens liegt neben einem Stück Weihnachtstorte grummelnd im Magen, während gerechnet wird, mit wie vielen G man wo im Januar Winterurlaub machen kann. Das Städtchen wurde in der Heiligen Nacht zart angeschneit und lockt mit funkelndem Diamantlicht das satte Volk ins Freie, um die neuen Jäckchen, Mäntelchen, Mützchen und Stiefelchen auszuführen.

Ich drücke mich um derartigen Schaulauf, genieße die erlaubte Faulheit nach Tagen des geschäftigen Treibens. Will meine Beine lieber in die olle Jogginghose und meine Nase lieber in den frischen Druckduft meines neuen, selbstgeschenkten Robotham-Krimis stecken und die Spannung inhalieren, will einen sahneweißen Bogen Zeichenpapier auf mein Brett spannen und die Stifte herumtollen lassen, vielleicht Liegengebliebenes in aller Ruhe aufarbeiten und dazu CDs hören. Und noch während ich dieses will und jenes, sind die wundervollen Tage ‚zwischen den Jahren‘ auch schon vorüber! Im Anschluss habe ich nichts vorzuweisen, außer, ja, außer vielleicht einem winzigen Tik weniger Hek.

Genießt die verbleibende Weihnachtsstimmung und haltet euch mit Kontakten rücksichtsvoll zurück. Ich wünsche Euch ein gesundes, zufriedenes Neues Jahr und die Stärke und Kreativität, auch aus dieser bedrohlichen, außergewöhnlichen Zeit etwas Besonderes zu machen und neue Wege zu gehen. Baldige und vollständige Genesung wünsche ich denen, die sich, egal mit welcher Erkrankung oder Not, plagen!


Urheberrechtlich geschützt © 2021 H. M. Kaufmann

„Häschenschule“ Twenty-twentyone

Seht, wie ihre Augen strahlen,
wenn sie lernen falsche Eier malen.
Jedes Häslein nimmt verboten
einen Pinsel in die Pfoten,
färbt die Viren, stachlig rund,
mit den schönsten Farben bunt.
Wer´s nicht kann, der darf auf Erden
nie ein Fälscher-Hase werden.

Ich bitte Fritz Koch-Gotha und Albert Sixtus post mortem um Verzeihung, dass ich ihr Werk bildlich und textlich verfremdet habe. Meine „Pfote“ tat einfach, was der Kopf wollte!

Die „Häschenschule“ war nach „Hänschen im Blaubeerwald“ das zweite Buch meines Lebens und ich gab mit fünf Jahren vor, oder besser gesagt an, lesen zu können, indem ich die (originalen) Verse auswendig vortrug und an den richtigen Stellen umblätterte.

Frohe Ostern und bleibt gesund!


Nach angegebener Vorlage urheberrechtlich geschützt © 2021 H. M. Kaufmann

„Es gibt nichts Gutes.“

Außer man tut es.

Erich Kästner

Zur Entstehungsgeschichte dieses Charitybuches wurde in den Medien inzwischen viel und ausführlich berichtet, und ich gehe davon aus, dass jeder Booknerd weiß, wie wichtig es ist, den Buchhandel durch den Kauf des Buches „Identität 1142“ (Herausgeber Sebastian Fitzek, 2020 Droemer Verlag) zu unterstützen. 

Aber auch jedes andere Buch hilft natürlich, die Vielfalt insbesondere der kleinen magischen, nach Druckerschwärze und neuem Papier duftenden Orte mit ihren prallvollen Bücherregalen zu erhalten. Letztlich helfen wir uns damit selbst, denn wer nicht zuhört, wird wortlos, wer nicht mehr liest, sprachlos. Ohne Worte, ohne Sprache ist Kommunikation unmöglich und wir könnten dann auch gleich wieder die Bäume beziehen. Es gibt eine wirklich sinnvolle Community – die der Leser und Lesebotschafter!

Ich bin, bezogen auf die Teilnehmerzahl, nur ein 1142stel dieser Idee, die ich, auch wenn ich mich dem Community-Voting für das zusätzlich erschienene eBook der beliebtesten Storys aus Prinzip verweigerte, dennoch aus voller Überzeugung mit diesem Kauftipp unterstütze! Und wenn ich schon so dreist und unbezahlt werbe, dann auch für eine der mehrheitlich ungedruckten Identitäten – meinen Kurzthriller „Schaf im Wolfspelz“. Ich hatte meinen Spaß dabei!


Urheberrechtlich geschützt © 2020 H. M. Kaufmann

Verkehrte Welt

Drabble

Ich kämpfe mich kraftvoll an die Oberfläche, schnappe gierig nach Luft und sauge sie tief ein, um mit der nächsten Welle wieder hinab in das dunkle, unendliche Braun des Ackersees zu tauchen. Als ich das nächste Mal, begleitet von einem krümeligen Schwall, den ich wie eine geplatzte Blase zurücklasse, nach oben paddele, hätte ich sie sehen können – meine Sehnsuchtsinsel! Eine wundervolle, erdumspielte Oase voller geheimnisvoller Geräusche und Gerüche, inmitten meines stillen Ozeans. Aber ich sehe äußerst schlecht und meine Bestimmung ist das Durchpflügen dieses Elements. Leben und Grab. Man nennt mich Erdwerfer oder Maulwurf, aber manchmal träume ich vom Meer.


© Inhalt urheberrechtlich geschützt – H. M. Kaufman 03.07.2020