Schau dich an, Welt!

Mental Health Day mit politischer Dimension.

Am vergangenen Wochenende brütete ich über einem fordernd weißen Blatt Papier, um es mit Ideen zu meinem Plot für eine Halloween-Kurzgeschichte zu schwärzen. Doch stattdessen verdunkelten sich die Gedanken und büxten ständig aus. Sie suchten Erklärungen, wo es keine gab und Hoffnung, wo keine wachsen kann. Die anhaltenden Kriegsgräuel in der Ukraine und nun das unvorstellbare Massaker an Zivilisten, begangen von Terroristen der Hamas und der Hisbollah in Israel drängten jede Alltagstätigkeit in den Hintergrund, ließen alles belanglos, irrwitzig oder banal erscheinen angesichts der Unaussprechlichkeiten, die überall dort zu finden sind, wo das, was unsere Spezies ausmachen sollte, in den Dreck getreten wird und unter Trümmern abscheulicher Taten begraben wird: die Menschlichkeit.

So wie glückliche Menschen vieles verklärt und idealisiert durch die bekannte rosarote Brille sehen, so funktioniert die Psychologie natürlich auch im Negativen. Sind wir im depressiven Modus, bemerken wir auch nur die finsteren Ereignisse im Lichtkegel unserer Wahrnehmungstaschenlampe. Das weiß ich genauso, wie ich weiß, dass niemand auf Dauer im Trauerzustand leben kann und darf, will er nicht die eigene psychische Gesundheit aufs Spiel setzen. Bei soviel Elend und Schmerz auf der Welt, könnte man locker Wochen, Monate – was sag ich, Jahre! – verheulen.

Auch hatte ich mir fest vorgenommen, mich niemals zu politischen Statements auf meiner Website hinreißen zu lassen. Nicht, weil ich keine Meinung habe, sondern weil ich sie in Hate-or-Hype-Medien nicht öffentlich teilen will. Um sich über Stammtischparolen hinaus zu äußern, fehlen mir zudem für viele Themen fundierte Kenntnisse geschichtlicher, sozialer oder politischer Hintergründe oder Verknüpfungen. Doch der Wahlsonntag gab mir, auch wenn das Ergebnis zu befürchten war, sozusagen den Rest! Der ‚rechte Stachel‘ stach mich tief und äußerst schmerzhaft!

Heißt es nicht „Geteiltes Leid ist halbes Leid“? So habe ich meinen Vorsatz ausnahmsweise ausgesetzt und teile hier meine finsteren Gedanken in diesen als rau empfundenen Tagen. Corona, das weltweite Säbelrasseln und die Hybris etlicher Diktatoren, die Inflation, steigende Preise und Zinsen, die Unfähigkeit und Uneinsichtigkeit der Menschheit bezüglich des Erdklimas, der Ressourcen, der Überbevölkerung und nicht zuletzt die eigenen Sorgen und Nöte haben mich in meinen letzten Lebensjahrzehnten zermürbt.

Schau dich doch an, Welt! Seit es unsere Spezies gibt, setzen wir alles daran, uns kunstvoll zu hassen und zu vernichten. Gier, Macht, Egoismus, Eitelkeit, Unterhaltung und Besitz sind die wahren Götter, die wir anbeten und nach denen wir süchtig sind. Hat Indien nicht existenziellere Probleme als eine Mondlandung? Ergibt es Sinn, wenn sich die Generation der Klimaaktivisten auf die Straße kleben, aber jedes noch so triviale Alltagsgeschehen mit riesigen Bilddatenmengen in der Cloud, auf Servern lagern und dabei Unmengen Energie verbrauchen? Sicher, das sind nur polarisierende Mikro-Beispiele für unsere Fähigkeit, Krisen nicht zu lösen, sondern nur umzutaufen. Die Kernprobleme bleiben und werden – täglich grüßt das Murmeltier – wiedergekäut, denn Verzicht und Kompromiss tun uns zu weh, um als Lösung in Betracht gezogen zu werden. Die Bevölkerung wächst und wir werden sie bald nicht mehr ernähren können. Die Müllberge lassen wir bei Nacht und Nebel in den Meeren verschwinden, wo sie unschuldige Kreaturen ausrotten. Wir benehmen uns wie marodierende Messie-Mieter, die Chaos und Zerstörung hinterlassen, aber zu blöd sind, um zu erkennen, dass wir keine nächste ‚Wohnung‘ mehr haben. Es scheint in uns einen fest verbauten Tunnelblick zu geben, der nur das aktuelle Geschehen, die aktuelle Krise erfasst, aber unfähig zur Vorausschau und Prävention ist. Kein Wohnraum-, Fachkräfte-, Lehrer- oder Pflegekräftemangel entsteht urplötzlich aus dem Nichts, weshalb er im Moment des Bemerkens auch nicht umgehend behoben werden kann. Übel dieser Art richten sich nicht nach Legislaturperioden oder Parteigerangel. Der Staffelstab wird nur durchgereicht.

Schau dich an, Welt! In Deutschland verbiegen und verrenken wir unsere Sprache, um vorgeblich Toleranz zu demonstrieren und uns gegen Rassismus zu positionieren, der jedoch in unseren Köpfen unausrottbar munter weiter wütet. Glaubens- und Territorialkriege wechseln nur die Schauplätze. Das derzeitige Szenario auf der politischen Weltkarte könnte durchaus das vor einem dritten Weltkrieg sein! Unser Gehirn weiß es längst, aber wo kein Wille zum Konsens, keine Empathie existiert, keine Menschlichkeit, kann auch der Mensch selbst letztlich nicht existieren. (Auch die Okkupation eines noch zu findenden Planeten wird uns daher nicht retten, außer wir vergessen, uns selbst mitzunehmen. 🙃)

Gestern habe ich mir eine kleine Auszeit gegönnt, mich meiner trüben Stimmung ganz bewusst für eine kurze Zeitspanne hingegeben und in den Fotoalben eines vergangenen halben Jahrhunderts geblättert. Ich schaute auf meine Welt. Vor 50 Jahren machte ich das Abitur und meinen Führerschein. Vor 50 Jahren gab es die ‚Ölkrise‘ mit all den hitzigen Debatten um die rapide schwindenden Ressourcen der Erde. Ich ging, bepackt mit Frischhaltedosen, Glasflaschen und Jutebeuteln lose angebotene Waren einkaufen. Überflüssige Verpackungen waren ‚böse‘ – man ließ sie demonstrativ im Geschäft zurück. – Vor 50 Jahren nahm ich an Lichterketten gegen Antisemitismus teil. Vor 50 Jahren, vom 6. bis zum 25. Oktober 1973, wurde der Jom-Kippur-Krieg in Israel geführt. Kurz zuvor, im Sommer 1972 und 1973 durfte ich zweimal die wundervolle Erfahrung einer Gruppenreise für Jugendliche ins ‚Gelobte Land‘ machen, die mich beide stark und dauerhaft beeindruckt haben. Hier ein kleiner Erinnerungssplitter: Mein Baum der Erkenntnis trägt Birnen.

Dieses Land trage ich seither auf eine unerklärliche, auf eine liebevolle Weise tief in mir. Deshalb fühle ich mich auch in diesen Tagen innig verbunden mit den Israelis und bin unbeschreiblich traurig über dieses neuerliche Zeugnis dafür, zu welchen abartigen Grausamkeiten Menschen begangen an ihren Mitmenschen fähig sind. Ich verachte die Mordlust und Brutalität dieser Terrorangriffe genauso wie die ekelerregenden, weltweiten Sympathiekundgebungen für diese Kriminellen. Es gibt kein einziges Argument zur Rechtfertigung dieser jüngsten Verbrechen, und jeder der hierzulande für Hamas- und Hisbollah-Terror öffentlich applaudiert, macht sich strafbar.

Schalom! 🇮🇱 שלום


Titelfoto von WikiImages auf Pixabay. Vielen Dank dafür, denn so blieb mir selbst der Schuss auf den Mond erspart! 😉

Auf einen Kaffee?

„Haste mal ’n Euro“ oder „Spendier mir einen Kaffee“?

Ist euch mal aufgefallen, wie viele Autoren ihre Kaffeepräferenz wie ein Gütesiegel thematisieren? Kaum eine Kurzbiografie, in der nicht steht, dass sie vorgeblich nur schreiben können, wenn (oder weil?) sie sich reichlich mit diesem Stöffchen abfüllen. Was will man dem Leser damit sagen? Hey, ich bin gemütlich, mit mir kann man sogar Kaffee trinken? Hallo, ich bin erwachsen und darf schon Kaffee trinken? Oder: Ich trinke Kaffee und schreibe deshalb besser als Teetrinker? Oder gar: Ich bekenne mich lieber offen zu meinem Kaffeeproblem, damit niemand merkt, wie hochprozentig ich tatsächlich unterwegs bin?

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Sollten meine Trinkgewohnheiten tatsächlich in irgendeinem, mir allerdings vollkommen unbekannten, Zusammenhang mit der literarischen Qualität meiner Texte stehen, bitte ich um Entschuldigung, denn ich gehöre zur Nullpromill-Allestrinker-Fraktion. Ein jedes zu seiner Zeit, wie ich finde, und mit gelegentlichen Ausnahmen! Jetzt fragt sich der geneigte Leser vielleicht, warum ich hier über Kaffeegenuss schwadroniere. Umschweife liebend schlage ich deshalb jetzt schnell den weiten Gedankenbogen zu einem herzigen Kaffeebecher, dem ich kürzlich verfallen bin. Er ist das Logo der englischsprachigen Support-Plattform Ko-fi (höre ich da ‚Coffee‘ heraus?), einer vereinfachten Alternative zu Patreon, wie ich finde. Beide unterstützen Freelancer und Independent-Künstler.

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Schreibt man wie ich ohne Unterstützung eines Publikumsverlags, ist es bekanntlich die große Ausnahme, dass allein aus dieser Tätigkeit nennenswerte Einkünfte erwachsen. Schriebe ich für mich selbst in ein Notizbuch, so wäre das eine  befriedigende, schöne Beschäftigung, die Geist und Seele guttut. Veröffentliche ich jedoch die auf diese Weise entstehenden Texte, so ist das im geringsten Fall ein recht teures Hobby, in der Mehrzahl der Fälle aber ein zeit- und geldfressendes Frustrationserlebnis. Meine Absicht ist es, Geschichten zu erzählen – meine eigene und fiktive, mit dem vorrangigen Ziel, zu unterhalten. Doch durch ein Buch unterhalten werden kann nur der, der es liest. 

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Für jede Art der Unterhaltung muss Geld in die Hand genommen werden, ob es Streamingdienste sind, die uns Filme, Musik oder Gaming wie Pizza liefern, die aufgezwungene GEZ-Gebühr für das klassische TV-/Radio-Angebot, digitale oder Print-Ausgaben von Zeitschriften und Büchern – all diese Angebote sind keineswegs gebührenfrei. Und wenn sie auf den oberflächlichen Blick so wirken, lauert versteckt die Werbungsfalle. Nur weil Selfpublisher sich selbst um ihr Projekt von A-Z kümmern und bemühen müssen, Dienstleistungen dafür aus eigener Tasche bezahlen, sollen sie das Ergebnis ihrer Mühen kostenlos unters Volk bringen? Rezensionsexemplare großzügig verschenken, nur um an die begehrte Ware einer möglichst positiven Buchbesprechung im Handel zu kommen, die zudem wegen einer gedanklichen Schieflage ad absurdum geführt wird? Potentielle Käufer vertrauen aus diesem Grund generell auf die Ehrlichkeit von Rezensionen immer weniger, bzw. könnte, wer nur auf sie vertraut, eine herbe Enttäuschung erleben. Es gibt etliche Selfpublisher, deren Bücher viel und berechtigt positiv besprochen werden, deren Buchverkäufe dennoch lächerlich gering sind. Ich selbst habe für dieses Dilemma keine Lösung parat.

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Der Anspruch an die Ergebnisse der Selfpublisher ist vollkommen zu recht in den vergangenen Jahren gestiegen. Profiteure sind natürlich die Leser, aber auch sämtliche Dienstleister rund um die selbstverlegten Werke, denn kaum eine Autorin oder ein Autor, kann gleichermaßen alles perfekt selbst erledigen. Verfasser sind auf professionelle Cover- und Buchblock-Gestaltung, auf Korrektorate und Lektorate und vieles mehr angewiesen, soll das Ergebnis auch nur annähernd mit einem Verlagsbuch konkurrieren können. Eine Dienstleistungslücke klafft allerdings noch für die Hilfe nach der Fertigstellung des physischen oder digitalen Werkes: Das Marketing! Für (zu) viel Geld kann allenfalls Messepräsenz gebucht werden oder eine Produktplatzierung in ausgesuchten Buchläden, samt Merchandise-Artikeln, aber dann wird die Luft leider schon dünn! Buchblogger wollen angefüttert werden mit Freiexemplaren und möglichst einem zusätzlichen Paket „Drachenfutter“, wenn sie denn das heiße Eisen Selfpublisher überhaupt in die Hand nehmen wollen. Bei der erdrückenden Flut von Neuerscheinungen ist die verkaufsrelevante Zeit schneller um, als man gucken kann, und, schwupps, ist das Buch aus dem Rennen! Schuld trägt man für das schlechte Ergebnis, glaubt man Social Media, selbst, denn dann „hat man sich einfach nicht genug exhibitioniert“. Niemand erinnert sich am Strand an die letzte Welle, die sanft über die Füße rollte, außer, sie hat uns ins Straucheln gebracht oder buchstäblich umgehauen.

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Es gibt etliche Gründe, warum der gesamte Markt rund um´s Buch so schwierig geworden ist, ich müsste ein ganzes darüber schreiben, ohne das Rätsel vollständig lösen zu können. Es ist wie es ist. Punkt. Ich bin ü70 und in mehr als einer Hinsicht gesellschaftlich ausgemustert. Wettbewerbe, Förderpreise, Jobangebote … ich sehe vor meinem geistigen Auge überall das Schild, das außen an Fleischereien hängt und einen angeleinten Hund zeigt, daneben die Zeile „Wir müssen draußen warten!“. Bei Nachwuchs denkt niemand an Altgehölze.

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Darin steckt aber zugleich ein Quäntchen Freiheit, denn ich würde gerne noch einige Geschichten lesen, aber auch erzählen und veröffentlichen. Ein kleines, radikales „Jetzt erst recht“! An diesem Punkt angekommen, entdeckte ich Ko-fi – den Kaffeebecher mit Herz mit der bekannten, anpassbaren Call-to-action „Buy me a coffee“. Jetzt habe ich mich zu einem winzigen Shop dort durchgerungen, der (allein wegen der physischen Gegenleistung) transparenteste Support, wie ich finde. Meine Interpretation, wie ich für mich solche Tips, also kleine Trinkgelder, definiere, hatte ich im Januar 2021 in die Geschichte „Der Tellepott“ gekleidet, die ich hier zu Erinnerung noch einmal verlinke. Meine Bücher biete ich dort nicht an, denn sie sind sowohl im Handel bestellbar oder online als auch bei den jeweiligen Dienstleistern (BoD, story.one, Amazon) erhältlich.

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Es wäre schön, wenn ihr mich in meinem Ko-fi-Shop mal besuchen kommt – vielleicht ist das auch eine Idee, die für euer kreatives Schaffen in Betracht käme? Ich würde mich freuen! Neue Marketingwege sind leider rar wie wilde Edelweißvorkommen auf Rügen, weshalb sie Selfpublisher derzeit vergeblich suchen.

Schreibt in die Kommentare, wenn ihr das anders seht oder irgendwo Licht am Horizont erkennt und ❤️-lichen Dank für eure Zeit!


Beitragsfoto der Tasse für Collage: poohchisa tunsiri auf Pixabay – vielen Dank!

Loch-Blech

Gedanken über Löcher.

Man kann in ein metaphorisches Loch fallen, was in Kopf und Bauch einen emotionalen Schwindel bis zur Übelkeit auslösen kann. Dieser depressive Zustand wird oft gerade dann erreicht, wenn man unter großen Mühen und Anstrengungen einen Gipfel oder zumindest eine kleine Anhöhe erreicht hat. Unten angekommen, muss man entweder ausharren, bis Hilfe kommt, oder man versucht sich, peu à peu heraus zu kämpfen, um wieder festen, vertrauten Boden unter den Füßen zu spüren.

Mit dem Monat Juni beginnt ein sich jährlich wiederholendes Schauspiel, dessen Hauptakteur ebenfalls ein Loch ist. Die Rede ist vom berühmt-berüchtigten Sommerloch, womit nicht die kleine Gemeinde im Kreis Bad Kreuznach gemeint ist, sondern die öde, langweilige Zeit der News-Sommerpause. Dieses Loch ist eng verwandt mit dem legendären Funkloch, denn bei beiden ist der Kontaktausfall zu Außenwelt gestört oder unterbrochen. Der Mensch wird dann auf sich selbst zurückgeworfen! Herrscht in seinem Inneren ebenfalls Leere (auch eine Art Loch), so fühlt sich der Mensch elend. Wir fragen mal ‚Wikipedia‘:

Das Sommerloch ist eine Bezeichnung in Bezug auf die Massenmedien, besonders der Tagespresse und der Nachrichtenagenturen, für eine nachrichtenarme Zeit, die vor allem durch die Sommerpause der politischen Institutionen und Sport-Ligen, ferner auch der kulturellen Einrichtungen bedingt ist.

Dass unsere Politiker sich eine ausgiebige Auszeit vom Piesacken ihrer Bürger gönnen, daran haben wir uns inzwischen genauso gewöhnt, wie an die Ersatznachrichten – ich denke an die ‚Schnappi‘-Kroko-Story –, die uns das Info-Loch versüßen sollen. Kaum aus unserer heutigen Kultur wegzudenken, ist Social Media, und auch dort dehnt sich dieses Loch aus. Aber ist es nur ein Sommerloch? Ich befürchte, es handelt sich sogar um ein Schwarzes Loch! Was ist das nun wieder? Wir löchern (ha, ha) erneut ‚Wikipedia‘, das übrigens nie Urlaub macht und uns verlässlich Auskunft über allerlei Wissenswertes gibt:

Ein Schwarzes Loch ist ein Objekt, dessen Masse auf ein extrem kleines Volumen konzentriert ist und infolge dieser Kompaktheit in seiner unmittelbaren Umgebung eine so starke Gravitation erzeugt, dass nicht einmal das Licht diesen Bereich verlassen oder durchlaufen kann.

Ja, ich erkenne durchaus Parallelen! Viel Masse, hochkonzentriert zusammengequetscht auf einer Plattform, mit extrem hoher Anziehungskraft, der kaum ein User entkommt und die letztlich alles in tiefschwarzer Dunkelheit versinken lässt. Kein Licht entkommt. Die, die den Sogwirbel rechtzeitig erkennen, suchen ihr Heil in der Flucht. Schaffen sie es, dauerhaft zu entkommen? Was ist Licht, was ist Dunkelheit? Bezogen auf Social Media ist für mich Licht identisch mit Content, mit Mehrwert. Inhalte, die mich bereichern, weil sie mich erheitern, ich Neues erfahre und dazulerne, teilhaben kann am Schaffen anderer, um selbst daran zu wachsen. Dunkelheit ist das Übermaß an Eigendarstellungen, an Fakegeschichten, Gelogenem, Geschöntem, an platten Affirmationen, an Angeberei und Dauerwerbung. All das zieht mich hinunter in das eingangs erwähnte Loch. Solche Inhalte zerstören, nerven und ermüden mich. Sie haben eine durch und durch toxische Wirkung! Das führt mich zu einer weiteren ‚Wikipedia‘-Loch-Definition (nein, ich werde nicht dafür bezahlt):

Eine durch Beschädigung entstandene offene Stelle, an der die Substanz nicht mehr vorhanden ist.

Hm, diese Erklärung trifft sogar noch besser auf einige Plattformen zu! Fehlende Substanz? In dieses Sommerloch schlüpfe ich jetzt, denn es scheint tatsächlich die beste Zeit zu sein, um sich unbeliebt zu machen, und in Ungnade gefallene Themen anzuschneiden. In diesen Wochen, in denen allenfalls seichte Luftmatrazen-Schmonzetten und Sandburgen-Lyrik gefragt ist, bemerkt kaum jemand einen Beitrag wie diesen. 

Ende 2022 habe ich mich an einer mehrwöchigen Challenge von ‚Papyrus-Autor‘, meinem favorisierten Schreibprogramm beteiligt. Eine kleine Auswahl meiner Kurzgeschichten-Ergebnisse habe ich unter dem Reiter Tiny Tall Tales (die Inhaltsangabe verweist auf das Wochenthema) eingestellt, die der geneigte Leser jedoch ohne folgende Linkhilfe nicht finden würde, da nur neue Blogbeiträge angezeigt werden, aber keine neuen Seiten. Sofern mich die Themen reizen, mache ich gerne bei kleinen Wettbewerben mit, weil sie eine gute Übung für fokussiertes Schreiben über ein bestimmtes Thema und mit fixen Rahmenvorgaben sind. Im Idealfall bieten die Themen sogar hilfreiche Impulse für eigene Ideen und Projekte. Das ist auch hier geschehen – doch das ist ein anderes Thema für einen anderen Beitrag. Hier kommen die vier Neuzugänge, meine Sommerloch-Füller:

Vielleicht gefallen Sie euch!


Space-Beitragsfoto für Collage: Placidplace auf Pixabay – vielen Dank!

Happy Birthday, mein Hase!

Das erste Jahr.

Vergangenen Sonntag – wie´ s der Zufall will, auch Muttertag – feierte mein Memoir-Angsthase sein erstes Wiegenfest. Menschenkinder stehen in diesem Alter schon auf ihren Beinchen, beherrschen die Küstenschifffahrt (das Herumlaufen mit Hand-Möbel-Kontakt) oder sie sind sogar schon aus dem Hafen ausgelaufen, um, immer noch in Hafennähe, freie Gewässer zu erobern.

Mein Buch ist längst nicht so weit. Und das liegt keineswegs am Kind, sondern an mir, der ängstlichen Mutter, die dem Kind zu wenig zutraut und sich selbst noch viel weniger. Ich habe die Mühen unterschätzt, dass Mütter und Väter, die ohne Verlagsbetreuung ihre Kinder großziehen müssen, ständig auf Elternabende eilen und permanent mit anderen Eltern eng vernetzt sein müssen, um uns über unsere lieben Kleinen auszutauschen und sie so zu fördern. 

Es ist faszinierend, wie ähnlich dann das Vergleichen der Buchkinder geschieht – ganz so, wie auf den Spielplätzen und Elterntreffen unserer zweibeinigen, wirklichen Kinder. Es wird geprahlt, gemessen, abgewogen, getröstet, gepriesen, gepfiffen und getrommelt! Bedauerlicherweise ist das nicht meine Kernkompetenz und ich lobe mich schon, hier den Geburtstag kund zu tun! Ähnlich verhält es sich mit der Aufmerksamkeit und der Wahrnehmung. Ein in vielfältiger Weise auffälliges Kind wird in der Masse eher wahrgenommen als ein schüchternes.

Das erste Menschenjahr ist eines der großen Entwicklungssprünge, aber dennoch liegen ebenso wichtige Etappen noch vor dem Kind. Hingegen ist für Buchkinder das allerwichtigste Jahr, das erste Jahr nach dem Erscheinen, nun vorüber! Es setzt allmählich die Zeit des Vergessens ein. Eine schmerzliche Erkenntnis nach der langen, beschwerlichen Schwangerschaft. Aber vielleicht sind bald die nächsten Kinder unterwegs und wir Eltern haben von den Erfahrungen mit den älteren Geschwister gelernt?

Ein Buch ist erst dann vergessen, wenn es nicht mehr gelesen wird!


Beitragsfoto-Collage: Hase von Lutz Peter, Kerze von rmadison auf Pixabay – vielen Dank!

Zwischen Au und Wow

Riesenraderfahrungen.

Den folgenden Beitrag veröffentlichte ich auf meinem Blog einige Tage bevor das beschriebene Event stattfinden sollte:

(…) Erstmals werde ich mich am Sonntag, den 7. Mai aus meinem sicheren Bau wagen, einen schlichten Büchertisch neben ihm aufbauen und meine Angsthasenlöffel weit aufsperren. Der Mut reicht nicht für eine Lesung, aber für öffentliche Anwesenheit samt meiner ‚Werke’ und meiner Sozialphobie. Und ich werde die frühlingsgrüne Schleife tragen. Das Zeichen für die Bereitschaft, meine Angst-Geschichte in einem Memoir zu teilen, zu ihr – zu MIR – zu stehen und so auch für Toleranz im Allgemeinen zu werben. Das hoffnungsvolle Maigrün des Symbols mag ausschließlich für psychische Erkrankungen stehen, aber tragen wir nicht alle irgendeine Schleife? Auch wenn sie unsichtbar ist? Und egal, welche Farben sie hat, es wäre doch einfach traumhaft, würden wir auch ohne ein solches Symbol öfter hinhören, im positiven Sinne neugieriger sein und uns mit Empathie anderen Menschen zuwenden. Alles, was wir geben können, erhalten wir bekanntlich vielfach zurück!

Die ‚Grüne Schleife‘ erinnert mich an eine verschlungene Ranke, einen frischen Austrieb, der erst einmal mutig ein Stück jeder Richtung erforscht, um Halt, Licht und Raum zur Entfaltung zu suchen. Es stört nicht, dass das junge Pflänzchen dabei vielleicht im Kreis wächst. Aus dieser Idee heraus entstand mein Give-away für den oben erwähnten Tag, an dem ich dieses Lese-Zeichen setzen möchte.

Jetzt, zwei Tage nach diesem Marktsonntag lasse ich ihn noch einmal für mich Revue passieren. Meine allergrößte Sorge, das angekündigt schlechte Wetter, löste sich buchstäblich in herrlich blaue, wenn auch kühle, Luft auf. Dennoch stieß mein Büchertisch von kleinen, aber dafür um so sympathischeren Ausnahmen mal abgesehen, auf reges DESinteresse. Mögliche Gründe analysiere ich wie folgt, wobei Nr. 5 am schwersten wiegt:

  1. Bücher kosten Geld und das sitzt bekanntlich in Tagen wie diesen nicht mehr locker. Wieviel sie tatsächlich kosten fanden jedoch auch nur wenige heraus, denn zumeist wurde das gesamte Angebot schon aus der Ferne ignoriert.
  2. Bücher muss man lesen. Leider ein Hobby, das allgemein an Schwindsucht leidet (besonders bei Kindern – Stichwort Vorbild).
  3. Fehlende (positive) Neugier. Geminderte Kaufkraft ist eine Sache, eine andere, dass nicht einmal Fragen gestellt wurden oder ein Gespräch zustande kam.
  4. Subjektiver Gesamteindruck: Das Publikum suchte in erster Linie heiteres Entertainment und leibliches Wohl.
  5. Mein FREIWILLIG (man hat mir mehrfach ein zentrales, sehr schönes Plätzchen schmackhaft gemacht) von mir gewählt schlechter Standort. Na klar, so weit ab vom Schuss wird man nur von zielorientiertem Publikum gefunden, anders als auf der dicht standbestückten Flaniermeile.
  6. Folge: Abschreckend leerer Stand erzeugt den Trugschluss von uninteressantem Angebot und vermeintlichem Kaufdruck.
  7. Genres der beiden vorgestellten Bücher: Jugendbuch und – ja, biste denn verrückt! – Memoir einer PSYCHISCH (hier hört man förmlich die Hintergrundmusik von Hitchcocks „Psycho“) Behinderten. Schwierig, schwierig!
  8. Selfpublisher sind eben doch keine ‚richtigen‘ Autoren?

Noch einmal bedanke ich mich aber dennoch herzlich bei dem äußerst entgegenkommenden und sehr bemühten Veranstalter, dem Verein Freiraum Kunst und Kultur Grebenstein e.V. www.kuku-grebenstein.de dafür, dass ich an diesem Tag dabei sein durfte, um diese Erfahrung zu machen. Wie ich hörte, lief es in dem eigentlichen Aktionsradius der Veranstaltung optimal und sowohl das Angebot als auch das Interesse waren dort groß!

Warum ich über meine Flops berichte? Ganz einfach, weil in der Selfpublisher-Bubble viel zu viel Geschöntes, Unechtes gezeigt wird und es immer noch Menschen gibt, die glauben, man könnte mit dem Schreiben von Büchern ganz easy wohlhabend und bekannt werden. Wie in jeder anderen Branche, gibt es natürlich Ausnahmen, aber wer nur danach strebt, liegt mit dieser Motivation definitiv falsch! Das, was uns Social Media zeigt, ist ohnehin nur ein Zerrbild der Realität.

Doch es gibt auch Highlights! Aber sie sind bescheiden. Sie geben der kleinen lodernden Kerzenflamme der Kreativität gerade so viel Nahrung, so viel Sauerstoff, um nicht zu verlöschen. (Dafür dankt sie es uns, indem sie länger und konstanter brennt.)

Gerade für Anfänger wie mich bieten Wettbewerbe ideale Spielplätze und die Gelegenheit für ‚Fingerübungen‘. Es gilt, sich an ausgeschriebene Regeln zu halten, sich dabei selbst auszuprobieren und Neues zwanglos zu testen. Darüber hinaus kann man von Zeit zu Zeit auch kleine Erfolge verbuchen – Sauerstoff für unser kreatives Flämmchen und Balsam für unser Selbstwertgefühl. Ende vergangenen Jahres habe ich beispielsweise einen kleinen Zeichenwettbewerb (Topp Art Week 2022 „Hands Up“, s. Zeichnung ‚Hasenhand‘) gewonnen und kürzlich einen Mini-Schreibwettbewerb (Bookdate Contest 2023, mit der Ultrakurzgeschichte Never End) und freue mich über wertvolle, nützlichen Sachpreise. Wesentlich häufiger ging ich natürlich leer aus (falls jemand glaubt, ich wäre der große Abräumer). Leer nur im Sinne von Sieg oder Platz; Erfahrungen – auch die, mit Niederlagen klar zu kommen – nahm ich IMMER daraus mit!

Fazit: Wie im Riesenrad geht es auf und ab, und das eine ist ohne das andere nicht möglich!

„Shit happens“

Oder „sowas kann passieren“!

Wahrlich, ein Buch mit Fallstricken, Tücken und Hindernissen! Immer neue Ameisenknochen bringen mich auf dem Weg zu einem zufriedenstellenden Ergebnis ins Straucheln! Die anfängliche Freude über die Neuauflage meines Debüts von 2016 wich ernüchternder Enttäuschung, als ich das erste gedruckte Exemplar nach langer Wartezeit in meinen Händen hielt. Der Druck des Covers hatte farblich wenig Ähnlichkeit mit meiner Vorlage! Der Schwarzanteil war gravierend und ein fieser Grünstich machte aus dem ‚Holzbuch‘ eine vermooste Antikausgabe. Über allem lag ein dunkler Schleier und die Farben wirkten stumpf, blass und schmuddelig.  

Der Support des On-demand-Dienstleisters reagierte freundlich und verständnisvoll und bot Hinweise und einen Ersatzdruck an, auf den ich dann wiederum etliche Tage warten musste. Leider konnte auch dieser Druck nicht punkten, da der Grünstich nur Platz für einen in Blau gemacht hatte. Brillanz? Farbtreue? Fehlanzeige. Wäre ich in der Vergangenheit nicht für zahlreiche Fotobüchern im Digitaldruckverfahren mit der gleichen Monitor-Fotoprogramm-Konstellation mit sehr schönen Ergebnissen belohnt worden, hätte ich womöglich meiner Basic-Technik Schuld an diesem Desaster gegeben. Außerdem gab es eine Druckvorschau, die ich abgesegnet hatte, die aber mit dem Ergebnis kaum übereinstimmt. 

Einige werden sagen, es kommt nicht auf das Äußere an, der Text macht das Buch aus. Das ist richtig, aber wir alle wissen, dass heute von vielen Kunden Cover, nicht Inhalte, gekauft werden. Fängt nicht fast jede Buchrezension an mit „Das Cover …“?

Spontan entschloss ich mich deshalb, nicht mehr die Antwort auf meine zweite Email-Reklamation abzuwarten (wieder lag natürlich ein Wochenende dazwischen) und umgehend eine zweite Neuauflage mit einem dezent überarbeiteten Cover in Angriff zu nehmen. Manchmal, so glaube ich, ist ein schneller, sauberer Schnitt weniger schmerzhaft als eine nicht heilende Wunde. 

Die problematischen (Grünstichgefahr!) Holztöne wurden themengetreu ’nächtlich‘ abgedunkelt, der mittlere Fokus durch die Astlöcher hingegen aufgehellt, um optische Tiefe zu erzielen.  Die Titelschrift Georgia Standard wurde in eine fette Variante gewandelt und da sie jetzt zu flatschig wirkte, durch Hinzufügen eines zusätzlichen Brush-Fonts leichter gemacht. Für die Schriftfarbe wurde für beide Fonts ein einheitlicher türkis-blauer Verlauf (wir wollen es ja nicht übertreiben) ausgesucht, der weitläufig an Dämmerungs-, aber auch Wasserübergänge erinnern soll. Die hellbeigen Verzierungen hatten ausgedient, da diese Holz-Nuance ansonsten nicht mehr vertreten war und wurden nun schlicht weiß. Zum Schluss musste nur noch der Schmutztitel typografisch angeglichen werden – fertig! 

Original-Vorlagen zum Rebirthday und Re-Rebirthday des Covers

Die Menüführung beim Anbieter ist intuitiv und recht gut verständlich, und nachdem das Cover wunschgemäß wieder in eine PDF Datei konvertiert wurde, konnte ich es endlich hochladen, sogar ohne eine neue ISBN zu benötigen*. Nun heißt es hoffen und bangen, ob das Ergebnis auch so ist, dass ich es guten Gewissens anbieten und ich, wie hieß es in der alten Kaffeeröster-Werbung, „dafür mit meinem Namen stehen“ kann. Wenn es aussieht wie in der Vorschau, sollte Nichtgefallen lediglich aufgrund persönlichen Geschmacks und nicht wegen mangelhafter Druck-Qualität möglich sein. Aber war ich an diesem Punkt nicht schon einmal? 

In dieser Kürze mag sich der Vorgang recht simpel darstellen, zog und zieht jedoch noch einen Rattenschwanz an Folgeänderungen nach sich. Alle Aufgaben, die ich längst erledigt glaubte, müssen ebenfalls eine Änderung durchlaufen: Buchtrailer für Amazon und YouTube, Instagram, Blog-/Website … Auch die Änderungen, die hinter fremden Kulissen ablaufen (eBook-Anpassung, Vorschaubilder bei den Buchanbietern …) sind bestimmt kein lustiger, leichtfertig gewählter Zeitvertreib. Hätte ich allerdings noch auf erneute Korrekturversuche gewartet, wären darüber Wochen ins Land gegangen und mehr potentielle Käufer wären unterdessen vielleicht unzufrieden. Wenn es wieder nicht klappt, höre ich auf mit der Selfpublisherei und schreibe fortan für die Schublade, habe ich geschworen! 😩

Warum ich das überhaupt erzähle? Primär natürlich, um das veränderte Erscheinungsbild des Covers zu erklären, aber auch um eine unerfreuliche Kehrseite des Selfpublishing zu thematisieren. Eine von etlichen, die in der Euphorie der gefeierten Selbstherrlichkeit gerne totgeschwiegen wird. Runtergebrochen auf meine ganz persönliche Ansicht: Eigentlich will ich bloß Geschichten erzählen. Weder will ich marktschreierisch durch Social Media marodieren und mich selbst und meine Bücher anpreisen, noch bin ich in der Lage, sackweise Euros für professionelle Dienstleistungen zu verballern, die ich nie und nimmer wieder durch Einnahmen decken werde. Nur ein exklusives „Hobby“, also? Modelleisenbahner, Sammler von Nippes und Co., handwerkelnde, malende oder sportelnde Mitmenschen versenken ebenfalls viel Geld für ihre Kreativität und ihr Vergnügen. Wo aber will ich hin?

Das Geheimnis zu meiner Zufriedenheit liegt im ehrlichen, selbstkritischen Anspruch. Dieses teuflische kleine Buch hat mich mit seinem ‚Re-Rebirthday‘ mal wieder an meine Grenzen geführt. Gut so! Ich erkenne meine Unruhe, mich endlich mit neuen Projekten beschäftigen zu wollen, während mich die abgeschlossen geglaubten, ständig in der Vergangenheit festhalten wollen. 

Das ist allemal besser als andersherum, oder?


*Nachtrag 28.08.2022: „Es könnte alles einfach sein, ist es aber nicht!“ Eine weitere Woche später erhalte ich die Nachricht, dass nun doch eine neue ISBN erforderlich ist und somit eine weitere Neubearbeitung erforderlich ist. Darauf folgt erneut mindestens eine Woche Wartezeit!


Happy Book Rebirthday!

‚Nachdrückliches‘ Ki-Ju-Buch

Es war mein Wunsch, ein Buch* zu schreiben, das ich selber gerne gelesen hätte, als ich in diesem Alter war. So sollte es sein, glaube ich. Aus dem gleichen Grund habe es mit zahlreichen Schwarz-weiß-Zeichnungen illustriert, denn besonders in jungem Lesealter ‚hangelt‘ man sich noch gerne an Bildern und kurzen Kapiteln durch eine Geschichte.

Ich war ein melancholisches Kind, eines, das Astrid Lindgrens ‚Mio‘ lieber mochte als ‚Pippi‘ und eines, das traurige Helden und Außenseiter mehr mochte als die überlegenen Siegertypen. Dieses Kind bin ich geblieben, denn ich bin eher ‚Team Neville oder Luna‘ als ‚Harry Potter‘, Team ‚Sam‘, nicht ‚Frodo‘, Team ‚Dory‘, nicht ‚Nemo‘ …

Manche Erwachsenen werden vielleicht sagen, das Thema des Buches ist zu schwierig oder zu traurig für Kinder. Vielleicht haben sie recht, aber, ja, das Leben ist manchmal verdammt traurig! Traurig sein und Weinen ist, genauso wie das glücklich sein und das Lachen, ein Teil von uns allen. Und so wie wir fröhliche Bücher lesen oder komische Filme sehen, um darüber zu reden, müssen wir auch über weniger lustige Themen sprechen können.

Es stimmt nicht, dass man von trauriger Musik oder von deprimierenden Themen noch schlechtere Stimmung bekommt. Sie helfen vielmehr, die bestehende Phase aktiv zu bewältigen und zu überwinden. Sind wir wieder ‚gut drauf‘, zieht es uns ganz automatisch wieder zu optimistischen, ausgelasseneren Inhalten und wir suchen Spaß.

Wer Lenny ein Stück auf seinem Weg begleitet, wird feststellen, wie viele Gefühle vollkommen natürlich und normal sind. Aus großer Trauer kann Zuneigung, Liebe, Freundschaft und wieder Glück werden oder andere mächtige Empfindungen.

Lenny hat durch einen Unfall seine Zwillingsschwester Lizzie verloren. Er hat alles Recht der Welt, zutiefst traurig darüber zu sein. Aber er ist zugleich stinkwütend auf sich selbst, denn er gibt sich die Schuld an der Tragödie. Sein Leben hat alle Farbe, alle Fröhlichkeit verloren.

In einer unerträglich heißen Sommernacht begegnet er einem schrulligen Mädchen, das ihn zu einem Abenteuer jenseits seiner Vorstellungskraft überredet.

Lasst Euch auf Lennys Abenteuer ein und redet darüber. Gut möglich, dass das Buch bloß zu traurig für Erwachsene ist!

*Stand 20.08.2022: Die soeben erst erschienene komplett überarbeitete Neuauflage geht derzeit in eine zweite, unfreiwillige Runde; mehr Infos im nächsten Beitrag und unter Books.


Titelbildcollage unter Verwendung eines Hintergrundfotos von Camera-man auf Pixabay – vielen Dank!

Mein ‚Mai-Light‘

Angst. Der Blick verengt sich zum Tunnel, das Herz rast, stolpert, fällt hin und kalter Schweiß bricht aus allen Poren. Im Kopf und im Magen breitet sich ein flaues Gefühl aus, die Atemluft wird knapp und die Kniescheiben zittern im Rhythmus jagender Angst. 

Solange wir die Kontrolle über den unterhaltsamen Adrenalin-Kick haben, suchen wir ihn. Wie lieben Horror-Filme, lesen Thriller, fahren Achter- oder Geisterbahn oder suchen sogar die tödliche Herausforderung, den Kick im Abenteuer. Doch wehe, die Angst dreht den Spieß um und treibt ihr perfides Spiel mit uns. Die hundertfach verstärkt erlebten Symptome der Panik reißen uns den Boden unter den Füßen weg! …

Während sich das Gros der Angstsachbücher und Publikationen thematisch dem Kampf, der Selbsthilfe oder den Therapien widmet, habe ich erfahren, wie individuelle eine Angsterkrankung, sowohl in ihrer Entstehung, als auch in ihren Auswirkungen ist, und wie wichtig Eigeninitiative und Motivation für eine Zustandsverbesserung sind.

Wir haben die Erwartungshaltung entwickelt, einfache Lösungen für jedes Problem zu erhalten und verzweifeln, wenn Erfolgsversprechen nicht funktionieren oder Therapien versagen. Zuspruch, Verständnis und Unterstützung finden wir oft nur im Austausch mit ähnlich Betroffenen. Ich habe mich stellvertretend für einige auf die autobiografische Reise, eine narrative Spurensuche nach meiner Angst begeben und erzähle, zu welchen, teils unbequemen, Erkenntnissen sie mich führte, wie sich mich modelliert hat und wie ich ihr Spiel mit mir empfindlich stören konnte.

Das entstandene Memoir ist neben dem Wunsch nach breiterem Verständnis und Enttabuisierung psychisch Erkrankter zugleich eine Liebeserklärung an die oft gönnerhaft belächelte Durchschnittlichkeit, das, durch eine Gesellschaft, die sich zunehmend über Geld und Geltung definiert, verpönte Mittelmaß.

39 ausgewählte Bilder aus meinem Ex-Instagram-Portfolio sind Bestandteil meines ‚Reiseberichts‘. Nach wie vor bin ich voller Ängste, aber Mensch genug, Sehnsucht nach erfreulichen, schönen Impressionen zu verspüren, die ich zur, hoffentlich ansteckenden, Inspiration teile, auch um zu widerlegen, dass Bildbände ausschließlich Höher-weiter-teurer-schöner-Zeugnisse ablegen müssen.

Mehr Infos zum Buch unter Vom Hasen, der auszieht, die Angst zu verlernen.

Weihnachten aus der Tube?

Die Geschenkeschlacht unterm Baum ist geschlagen, die erste Runde des Festtagsbratens liegt neben einem Stück Weihnachtstorte grummelnd im Magen, während gerechnet wird, mit wie vielen G man wo im Januar Winterurlaub machen kann. Das Städtchen wurde in der Heiligen Nacht zart angeschneit und lockt mit funkelndem Diamantlicht das satte Volk ins Freie, um die neuen Jäckchen, Mäntelchen, Mützchen und Stiefelchen auszuführen.

Ich drücke mich um derartigen Schaulauf, genieße die erlaubte Faulheit nach Tagen des geschäftigen Treibens. Will meine Beine lieber in die olle Jogginghose und meine Nase lieber in den frischen Druckduft meines neuen, selbstgeschenkten Robotham-Krimis stecken und die Spannung inhalieren, will einen sahneweißen Bogen Zeichenpapier auf mein Brett spannen und die Stifte herumtollen lassen, vielleicht Liegengebliebenes in aller Ruhe aufarbeiten und dazu CDs hören. Und noch während ich dieses will und jenes, sind die wundervollen Tage ‚zwischen den Jahren‘ auch schon vorüber! Im Anschluss habe ich nichts vorzuweisen, außer, ja, außer vielleicht einem winzigen Tik weniger Hek.

Genießt die verbleibende Weihnachtsstimmung und haltet euch mit Kontakten rücksichtsvoll zurück. Ich wünsche Euch ein gesundes, zufriedenes Neues Jahr und die Stärke und Kreativität, auch aus dieser bedrohlichen, außergewöhnlichen Zeit etwas Besonderes zu machen und neue Wege zu gehen. Baldige und vollständige Genesung wünsche ich denen, die sich, egal mit welcher Erkrankung oder Not, plagen!


Urheberrechtlich geschützt © 2021 H. M. Kaufmann

„Häschenschule“ Twenty-twentyone

Seht, wie ihre Augen strahlen,
wenn sie lernen falsche Eier malen.
Jedes Häslein nimmt verboten
einen Pinsel in die Pfoten,
färbt die Viren, stachlig rund,
mit den schönsten Farben bunt.
Wer´s nicht kann, der darf auf Erden
nie ein Fälscher-Hase werden.

Ich bitte Fritz Koch-Gotha und Albert Sixtus post mortem um Verzeihung, dass ich ihr Werk bildlich und textlich verfremdet habe. Meine „Pfote“ tat einfach, was der Kopf wollte!

Die „Häschenschule“ war nach „Hänschen im Blaubeerwald“ das zweite Buch meines Lebens und ich gab mit fünf Jahren vor, oder besser gesagt an, lesen zu können, indem ich die (originalen) Verse auswendig vortrug und an den richtigen Stellen umblätterte.

Frohe Ostern und bleibt gesund!


Nach angegebener Vorlage urheberrechtlich geschützt © 2021 H. M. Kaufmann